Platon: Die Idee des Guten

Die Idee des Guten ist Teil der Ideenlehre Platons. Die Ideenlehre wiederum ist weniger eine abgeschlossene Theorie, als vielmehr eine Art Konzept, das sich über mehrere Werke Platons erstreckt. Innerhalb der Ideenlehre nimmt die Idee des Guten eine Sonderstellung ein, denn sie steht über allen Ideen. Welchen ontologischen Charakter die Idee des Guten hat ist bis heute umstritten.

Die Ideenlehre

Wie in der Einleitung schon angemerkt ist die Ideenlehre keine abgeschlossene Theorie. Platon widmete ihr kein eigenes Buch, zumindest ist kein solches erhalten geblieben. Dennoch zieht sie sich durch mehrere seiner Werke. Der Grundgedanke der Ideen ist, wenn wir von einem Ball sprechen, ist es weder die Tatsache, dass er rund ist, noch dass er rot ist, oder jede beliebige andere Eigenschaft, die ihn für uns zu einem Ball macht. Wenn wir von einem Ball im Allgemeinen sprechen reden wir nicht von einem konkreten Ball sondern wir sprechen von dem gemeinsamen Charakter aller Bälle. Diesen gemeinsamen Charakter bezeichnet Platon als Idee. Diese Ideen waren für Platon, so, wie Dinge, Teil des Seins, unterschieden sich jedoch von diesen dadurch, dass sie ewig, unwandelbar und nicht wahrnehmbar sind. Ideen sind Teil des Seins jedoch nicht wahrnehmbar, sie können nur mit dem Geist erkannt werden. Wovon es Ideen gibt beantwortet Platon nie eindeutig. Er gibt über einige seiner Werke verteilt immer wieder Beispiele. So gibt es Ideen von Zahlen, Tugenden, aber auch allen Dingen.  Die Ideenlehre zieht sich nicht umsonst durch große Teile von Platons Werk. Sie bildet die Grundlage für alle Theorien die er aufstellte. Sokrates war in den frühen Werken Platons vor allem darum bemüht, Fehler in der Argumentation seiner Gesprächspartner aufzudecken. Das setzte ihn natürlich  unter Druck selbst so präzise wie möglich zu argumentieren. Das wichtigste bei jedem Argument ist die Prämisse. Sie bildet das Fundament jedes logischen Gedankengangs. Diese Funktion sollten für Platon die Ideen übernehmen. Ewige, unveränderliche Ideen von denen man, als solide Prämisse, alles weitere ableiten kann, um so wirkliches Wissen zu erlangen und nicht nur Meinungen zu äußern.

Die Idee des Guten

In Platons der Staat beschreibt dieser wie er sich die perfekte Gesellschaftsordnung vorstellt. An der Spitze dieser Gesellschaft sollte ein Philosoph stehen. Um den Staat zu lenken sollte dieser unbedingt Kenntnis von der Idee des Guten haben, da alles Wissen davon abhänge. Einer genauen Erklärung was die Idee des Guten ist verweigert sich Sokrates in der Staat jedoch, da er selbst keine Kenntnis von ihr habe. Für seinen Staat ist sie jedoch, laut eigener Aussage, unabdingbar. Deshalb gibt er, wenn schon keine endgültige Erklärung, ein Gleichnis. Die Idee des Guten sei in der noetischen Welt, das, was in der physischen Welt die Sonne ist. Um zu sehen bräuchte es neben dem Sehenden und dem Gesehenen noch ein drittes, die Sonne. So wie die Sonne durch ihr Licht die Dinge erst sichtbar mache und Ursache allen Wachstums und Lebens sei, so verhalte sich die Idee des Guten in ähnlicher Weise zu Vernunft und Erkennbarem. Nur durch die Idee des Guten sei es der Seele möglich wahre Erkenntnis zu erlangen.(vgl. dazu Die Bedeutung der Idee des Guten für Erkenntnis und Sein) Zudem ist laut Platon jedes Wissen unnütz, wenn wir seinen Wert nicht kennen. Wissen muss danach beurteilt werden ob es gut ist oder nicht, denn das Gute ist „was jede Seele anstrebt und weswegen sie alles tut, in der Ahnung, es gäbe so etwas, aber ohne Wissen und ohne rechte Auffassung davon , was es ist, und ohne eine feste Überzeugung, und daher irrt sie auch oft, ob etwas nützlich ist.“(Politeia, 505d-e)  Mit diesem Gedanken schließt Platon auch die Lücke zwischen Sein und Sollen. Da er das Gute als das definiert was jede Seele anstrebt. Das einzige Hindernis stellt die physische Welt da, die uns von Wahrem, den Ideen, ablenkt. Doch sobald wir, mittels des Geistes, die Idee des Guten erkannt haben, stellt sich, per Definition, die Frage gar nicht mehr ob man danach handeln solle. Wie groß, für Platon, der Unterschied zwischen der physischen und der noetische Welt ist, zeigt er anhand des Höhlengleichnisses. Dabei beschreibt er eine Welt in der die Menschen angekettet sind und auf eine Wand starren. Dort sehen sie die Schatten von Objekten die hinter ihnen sind. Diese Schatten stellen für sie die Realität dar, die einzige die sie kennen. Die Schatten sind eine Metapher für die physische Welt. Sollte nun einer der Menschen losgebunden werden und hinausgeführt werden, würde ihn das Licht zunächst blenden. Doch dann würde er erkennen, dass dies die reale Welt ist und er bis jetzt in einer Schattenwelt gelebt hatte. Er würde die Sonne als Ursprung von allem erkennen und sollte er wieder zurück kehren in die Höhle, wäre ihm klar, wie bedeutungslos diese Schattenwelt in Wirklichkeit ist, was er den anderen Bewohnern der Höhle jedoch kaum begreiflich machen könnte. Platon fasst mit diesem Gleichnis zusammen worauf er hinaus will. Die Welt macht erst Sinn, wenn man sie in seiner Gesamtheit erfasst. Dazu gehört auf der einen Seite die physische Welt, die Höhle. Diese ist jedoch bedeutungslos, ohne Kenntnis von der noetischen Welt, der Welt außerhalb der Höhle, und ohne Kenntnis von der Idee des Guten, der Sonne, die Ursache und Ziel von allem ist.

Die Ontologie der Idee des Guten

Die Ideen selbst liegen, Platon zufolge, außerhalb der physischen Welt. Sie sind daher auch nicht empirisch erfahrbar. Sie sind ewig und unwandelbar und können nur mittels des Geistes erkannt werden. Unsere unsterbliche Seele hat, bevor sie in unseren Körper fuhr, die Ideen Geschaut und hat nun die Möglichkeit sich an sie zu erinnern. Obwohl sie nicht Teil der physischen Welt sind, sind sie dennoch Teil des Seins. Bei der Idee des Guten ist das nicht ganz so klar. Auf der einen Seite Bezeichnet Platon sie nämlich als „jenseits von Sein und Wesen“(Politeia, 509b), auf der der anderen Seite als „Glänzendstes unter dem Seienden“(Politeia, 508c). Eine einfache Erklärung für diesen Widerspruch wäre eine Ungenauigkeit Platons anzunehmen. Dagegen spricht, dass Platon in all seinen Werken sehr auf Genauigkeit bedacht war. Eine andere Erklärung liegt in der Möglichkeit, dass etwas in der Übersetzung verloren ging oder falsch interpretiert wurde. Eine dritte Erklärung wäre, dass diese Widersprüchlichkeit Teil der Idee des Guten ist, und Platon klar war, dass man sie, ohne diesen Widerspruch klar zu machen, nicht besprechen kann.

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