Platon: Die Idee des Guten als Erkenntnis- und Seinsgrund

1.Die Bedeutung der Idee des Guten für das Sein

Zuerst müssen wir uns dazu die Frage stellen, warum etwas nach Platon überhaupt ist. Wie bereits im Sitzungsprotokoll vom 24.10.2016 erwähnt, sind die Ideen der Ursprung allen Seins. Nun gibt dieses Theorem aber noch nicht die Lösung zu der Frage, warum etwas ist, sondern verschiebt nur die Fragestellung. So müssen wir uns jetzt nicht mehr fragen, warum die seienden Dinge sind, sondern, warum die Ideen sind. Und auch diese Antwort müssten wir dann wieder hinterfragen, genau wie die Nächste und die Nächste, bis in alle Unendlichkeit. Um diesen ewigen Regress zu vermeiden, setzt Platon die Idee des Guten an die nächste Stelle. Das heißt die Antwort auf die Frage nach dem Seinsgrund der Ideen ist die Idee des Guten. Diese kann nach Platon nicht mehr hinterfragt werden, da sie für sich selbst steht. Das mag für einige als eine merkwürdige Schlussfolgerung erscheinen, doch dies liegt wohl vor allem an der unzureichenden Übersetzung des altgriechischen Wortes „agathos“ mit dem Wort „gut“. Denn für die Griechen bedeutet das Wort „agathos“ zwar auch im moralischen Sinne gut, wird aber öfter mit den Worten „tüchtig“ oder „nützlich“ übersetzt. Um diese Mehrdeutigkeit zu verdeutlichen, werde ich im Folgenden das Wort „gut“ immer in Anführungszeichen setzten. Nun könnte man sagen, dass der Grund für alle anderen Ideen die Idee der Nützlichkeit/ Tüchtigkeit ist. Dann geht man noch weiter und fragt sich, was nützlich ist. Das ist nun nichts anderes, als alles, was einen Zweck erfüllt. Also ist der Seinsgrund für alle Ideen nichts anderes, als das sie überhaupt einen Zweck haben und funktionieren. Aus dieser Perspektive wird schon viel klarer, wie man sich die Verhinderung des Regresses nach Platon denken kann. Nämlich, dass alles, was existiert, einen Zweck erfüllen muss. Hier macht auch Platon seinen Übergang vom Sein, also der Existenz, zum Sollen, einer Forderung an etwas. Denn die Idee des „Guten“ ist nichts anderes als eine Forderung an alle anderen Ideen nach einem Zweck. Er schreibt also der Idee des „Guten“ einen Zustand zu, der über das Sein hinausgeht und es gleichzeitig bedingt. Auch dient diese Idee als ein Maßstab für alle anderen existierenden Ideen. Nun bleibt nur noch die Frage, wie dann defekte bzw. mangelhafte Dinge, wie zum Beispiel ein zerbrochenes Schwert, existieren können. Dieses Problem löst Platon in seinem Sonnengleichnis. Hier vergleicht er nämlich Die Idee des „Guten“ mit der Sonne. Da beide der Grund für die Existenz und Erkenntnis aller Dinge in ihrer jeweiligen Welt sind. Die Sonne für die Welt des „Sichtbaren“, die Idee des „Guten“ für die Welt des „Gedachten“. Doch lässt er Sokrates in eben diesem Gleichnis auch zu Glaukon sagen: „Merke also, (…), wie wir sagen, daß dieses zwei sind und daß sie herrschen, das eine über das denkbare Geschlecht und Gebiet, das andere über das sichtbare, (…). Also diese beiden Arten hast du nun, das Denkbare und Sichtbare.“ (Politeia, 509d/ Zeile 1-4). Dies bedeutet doch nun nichts anderes, als dass die sichtbare und die gedachte Welt unterschieden werden müssen. Also sind zwar die Ideen der Grund für die Dinge in der sichtbaren Welt und die Idee des „Guten“ der Grund für die Ideen, doch die Idee des „Guten“ ist deswegen nicht auch Grund für die Dinge der sichtbaren Welt. Denn nur die Ideen müssen nützlich und funktionsfähig sein, während die Dinge der sichtbaren Welt manchmal so verzerrte Abbilder der Ideen sind, dass sie nicht mehr funktionstüchtig sind (vgl. Höhlengleichnis). Abschließend lässt sich also mit Recht behaupten, dass Idee des „Guten“, obwohl selbst über das Sein hinausgehend, doch der Grund für die Existenz der Ideen und damit indirekt auch von allem anderen ist.

2.Die Bedeutung der Idee des Guten für Erkenntnis

Wie ich bereits oben angedeutet habe, ist die Idee des „Guten“ nach Platon der Grund, warum sich überhaupt Ideen in der sichtbaren Welt zeigen. So vergleicht er in seinem Höhlen- und Sonnen-Gleichnis die Idee des „Guten“ mit der Sonne. Denn diese „bescheint“ die Dinge im Sonnengleichnis und macht sie für unsere Augen erst erkennbar. Im Höhlengleichnis wird das Ganze noch etwas komplizierter, da der Mensch in diesem in einer Höhle gefesselt sitzt und nur die Schatten von Dingen sieht, die hinter ihm an einem Feuer vorbeigetragen werden. Schafft er es tatsächlich, sich dann zu befreien und am Feuer vorbei aus der Höhle zu entkommen, so ist er vom Sonnenlicht geblendet und muss zu Boden schauen, wo er wieder nur Schatten der Dinge sehen kann. Danach, wenn er sich an das Licht gewöhnt hat, kann er aufsehen und sieht erst die wahren Dinge an sich und dann die Sonne. Hier steht die Sonne für die Idee des „Guten“ und das Feuer für die Sonne in unserer sichtbaren Welt. Es wird auch hier wieder seine Trennung zwischen der sichtbaren und der gedachten Welt deutlich. So ist die Höhle unsere sichtbare Welt, während draußen die gedachte Welt ist. So sind zwar die Schatten, die wir als erstes an der Höhlenwand sehen, nur Schatten von Abbildern von Dingen aus der wirklichen Welt, was dadurch zustande kommt, dass sich unsere Seelen zwar noch an die wahren Ideen erinnern, diese aber nicht mehr klar und deutlich vor Augen haben. Und während das Feuer, als Sonne, diese Abbilder für uns sichtbar macht, kommt das Licht, das wir sehen, noch nicht von der Idee des „Guten“. Nun könnte man damit dem Sonnengleichnis wiedersprechen und sagen, dass doch nicht alles durch die Idee des „Guten“ erkannt werden kann, doch das stimmt nicht ganz, da unsere Selen noch vor unserer Geburt die Ideen an der Oberfläche gar nicht hätten wahrnehmen können ohne das Licht derselben. Nun könnte man nur noch einwenden, dass es einem nicht logisch erscheint etwas durch die Idee von einer moralischen Bewertung zu erkennen. Das lässt sich leicht mit der oben genannten Mehrdeutigkeit erklären. Denn wie will man besser auf das Wesen, also die Idee, eines existierenden Gegenstandes schließen, als wenn man seinen Zweck hinterfragt. Abschließend kann man also sagen, dass die Idee des „Guten“ Grund für all unsere Erkenntnisse ist, wenn schon nicht direkt, dann zumindest indirekt.

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