Hume über den “moralischen Sinn”

In der Übung vom 7.11.2016 kam die Frage auf, wo Hume genau von einem „moral sense“ bzw. einem „moralischen Sinn“ spricht. Er tut dies zu Beginn des zweiten Abschnitts des 1. Buchs seines „Traktats“, der überschrieben ist mit „Sittliche Unterscheidungen entspringen aus einem moralischen Sinn“. Entscheided dafür ist folgender Satz: „Sittlichkeit wird also mehr gefühlt als beurteilt“. Eine weitere Passage findet sich im selben Werk auf S. 226: „Da keine Handlung löblich oder tadelnswert sein kann, ohne Motive oder treibende Affekte, die sich von dem moralischen Sinn unterscheiden, so müssen diese besonderen Affekte einen großen Einfluß auf diesen moralischen Sinn haben.“ Eine weitere, sehr aufschlussreiche Passage findet sich in der deutschen Ausgabe auf S. 373. Dort werden moralischer Sinn und Vernunft (bzw. „Gründe“) in ein Verhältnis gesetzt: „Wenig Kenntnis des menschlichen Tuns und Lassens genügt, um zu zeigen, daß der Sinn für das Sittliche ein der Seele innewohnendes Prinzip ist und eines der mächtigsten, das sich in ihrer Organisation findet Aber dieser Sinn gewinnt erhöhte Stärke, wenn derselbe bei der Reflexion über sich selbst auch die Gründe billigen muß, auf denen er beruht, d. h. wenn er in seinem Fundament und Ursprung nur Großes und Gutes findet Diejenigen, die den Sinn für das Sittliche auf ursprüngliche Instinkte des menschlichen Geistes zurückführen, mögen für die Statuierung dieser Ursache der Tugend genügend sichere Argumente haben; aber es fehlt ihnen der Vorteil, den diejenigen haben, die jenen Sinn aus dem extensiven Mitgefühl mit der Menschheit erklären. Diese letztere Theorie läßt nicht nur die Tugend, sondern auch den Sinn für Tugend lobenswert erscheinen; und nicht nur diesen Sinn, sondern auch die Faktoren, aus denen er abgeleitet wird. Sie operiert so mit nichts, das nicht lobenswert und gut wäre.“

Hier stellt sich nun die Frage, inwiefern Hume durch das Verhältnis von Gefühl und Gründen Objektivität in der (i) Erkenntnis und (ii) Begrüdung von Moral erzielen kann.

Kommentare

Dieser Beitrag hat momentan 4 Kommentare

  • Die Frage, die mich in Übung am 07.11.2016 beschäftigte, war die Frage nach dem Verhältnis Humes, zu einer Position des moralischen/ethischen Universalismus.

    Wenn ich die Kommentare in der Übung richtig interpretiere, hatten bis dahin festgestellt:
    1) Hume geht davon aus, dass moralischer/ethischer Universalismus nicht durch den Verstand entdeckt werden kann.
    2) Fraglich ist, ob Hume einer anderen Institution des Menschen, die Fähigkeit zur objektiven Erkenntnis einer universell geltenden Moral zugesteht.
    2.1) Ob der „moral sense“ eine solche Institution darstellt, wollten wir zum Gegenstand weiterer Untersuchungen machen.
    3) Desweiteren stellte sich die Frage, ob Hume überhaupt von der Existenz einer universell geltenden Moral ausgeht.

    Diese Fragen konnte ich mir aus den Textstellen noch nicht hinreichend erschließen, da, wie von Herrn Dr. Noller bemerkt,
    (2) die potentielle Objektivität der Erkenntnis von universell gültiger Sittlichkeit/Moral durch den „moral sense“, für meine Begriffe nicht zur Sprache kommt.
    (3) Auch die Frage nach Humes Standpunkt zur Existenz einer universell gültigen Moral bedarf einer weiteren Klärung. So gewinnt der „moral sense“, laut Hume, zwar an Stärke und lässt Tugend und Sinn für Tugend als lobenswert erscheinen, wenn man ihn mit dem extensiven Mitgefühl mit der Menschheit erklärt, ein Anspruch auf die (siehe 2) Möglichkeit einer objektive Erkenntnis und der (siehe 3) Existenz eines moralischen/ethischen Universalismus, entsteht meines Erachtens daraus jedoch nicht.

  • Ein paar Anmerkungen zur Nachbetrachtung von David Hume, sowohl im Seminar, als auch im Tutorium.
    Zur Personen/Autorendebatte:
    Stanford Encyclopedia/Rachel Cohon
    Ich war zunächst skeptisch, da sie weder zur kritischen Betrachtung der Philosophischen Lebensleistung David Hume´s (ed. David Fate Norton, Jaqueline Taylor), noch bei der separaten, kritischen Werksausgabe des Treatise I-III (ed. Donald Ainslie, Annemarie Butler) als kapitelverantwortende Autorin, von der Cambridge Companion (Cambridge-University, GB) eingeladen wurde.
    Dabei richteten sich meine Zweifel nicht gegen die Stanford Encyclopedia selbst, denn die ist völlig untadelig, jedoch, ging meine Vermutung dahin dass Rachel Cohon gar keine echte Humeanerin wäre, aber dies war völlig unbegründet, denn Rachel Cohon, hat nicht nur gar nichts elementar falsch dargestellt, sondern, sie hat auch vergleichsweise sehr gut die, permanente Dialektik von David Hume herausgearbetet und erläutert, z. B. wann David Hume nicht an Kausalität glaubt (jeweils in den beiden kritischen Phase), und ab wann, und v. a. wie er, seine Kausalität neu zu begründen sucht (jeweils in den beiden konstruktiven Phasen), dass Rachel Cohon von den anderen Humeanern (rein spekulativ), womöglich nicht so sehr gemocht wird das mag darin liegen, dass sie selbst zum Rationalismus dissertiert hat, und somit wohl, die neo-kantianischste `echte´ Humeanerin der Gegenwart ist.
    Zu den Sachinhalten/-darstellungen.
    1. These: Die drei Treatises gehören zusammen und ihre Inhalte, die können nur dann zutreffend beurteilt werden, wenn man dazu auch noch die beiden Inquiries gelesen hat, und so überhaupt erst die intellektuelle Entwicklung bei David Hume nachvollziehen kann (Immanuel Kant, soll womöglich, nur die beiden Inquiries gelesen haben, aber das ist nicht verbürgt).
    Dass die Werke zusammengehören hingegen schon.
    Textstellennachweis (R. Cohon, at Stanford, 2. `The Relation between the Treatise and the Inquiries´, letzter Satz): “It is not unreasonable to conclude that Hume’s recasting of the Treatise was designed to address this issue, which suggests that we might understand him best by reading both works, despite their differences, together”
    Fazit: We understand him best by reading both works (1. drei Treatises, & 2. zwei Inquiries)
    2. These: Ich hatte heute u. a. dargestellt, dass es bei Hume ein reflektorisches Stadium seiner praktischen Vernunft gäbe, bei dem die Vernunft allein nur dazu dient eine (Meta-)Kritik am Verstand zu üben (zur Erinnerung, der Verstand setzte sich bei Hume zusammen aus: 1. `relations of ideas´, & 2. `matters of fact´), und diese höhere humeanische Bewusstseinsebene, der praktischen Vernunftreflexion, hatte ich fälschlich als `imagination´ bezeichnet (in begrifflicher Abgrenzung zu unmittelbaren: 1. `Impressions´, und zu mittelbaren: 2. Perceptions), dieser Fehler war der Übersetzung geschuldet, tatsächlich nennt Hume die selbstreflexive Verstandeskritik ` Ideas of Belief´, und diese `idealen Überzeugungen´ setzen sich bei ihm, zusammen aus: 1. Gründen, 2. Erfahrungen, 3. Kontingenz, und den räsonierten 4. (Abwägungs-)Wahrscheinlichkeiten.
    Textstellennachweis (R. Cohon, at Stanford, 5.3. `Belief´, m.): “But how does an idea come to be conceived in such a manner that it constitutes a belief?
    Hume’s explanation is that as I become accustomed to aspirin’s relieving my headaches, I develop a propensity—a tendency—to expect headache relief to follow taking aspirin. The propensity is due to the associative bond that my repeated experiences of taking aspirin and headache relief have formed. My present impressions of taking an aspirin are as forceful and vivid as anything could be, and some of their force and vivacity transfers across the associative path to the idea of headache relief, enlivening it with enough force and vivacity to give it the “strength and solidity” that constitutes belief.”
    Fazit: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aspirin meine Kopfschmerzen lindert (Erfahrungen), und daher erwarte ich, von der nächsten Aspirin, dass sie das gleiche kann wie die Vorhergehende (Gründe), da das Einnehmen der Aspirin, beim letzten Mal gut gewirkt hat, unterstelle ich einen Zusammenhang zwischen der eingenommenen Aspirin, und dem nachfolgenden Verschwinden der Kopfschmerzen (Kontingenz), dazu kommt noch, seine (inferenzstatistische) Wahrscheinlichkeitseinschätzung, diese vier konstituieren dann `Belief´ (auch `Ideas of Belief´ genannt).
    Wie funktioniert die humeanische Dialektik?
    3. These, durch das Zusammenspiel einer Phase `radikaler Kritik´ (negativistisch), mit einer darauffolgenden Phase `konstruktiver Kritik´ (positivistisch), seine Phasenanordnung funktioniert folgendermaßen:
    Textstellennachweis (R. Cohon, at Stanford, Inhaltsverzeichnis):
    5. Causation (Die humeanische Kausaltät)
    5.1 Causal Inference: Critical Phase (radikaler Unglaube)
    5.2 Causal Inference: Constructive Phase (sich entwickelnder Glaube)
    5.3 Belief (gefestigte Überzeugung, wie Kausalität funktioniert)
    => Erste Dialektik, Thema: `Kausalität (abstrakt)´
    6. The Idea of Necessary Connection (die notwendige Verbindung zwischen Ereignis, und Folge)
    6.1 Necessary Connection: Critical Phase (tiefe Zweifel, dass eine Verbindung existiert)
    6.2 Necessary Connection: Constructive Phase (gefestigte Überzeugung, dass eine Verbindung besteht, und er sie auch schlüssig erklären kann)
    => Zweite Dialektik, Thema: `Kausalität (konkret)´
    7. Moral Philosophy (Zweifel am Rationalismus, und Zutrauen zu den Sentiments)
    7.1 Moral Rationalism: Critical Phase in the Treatise (Zweifel am Rationalismus)
    7.2 Sentimentalism: Constructive Phase (gefestigte Überzeugung zu Sentiments, Moral wird eher gefühlt, statt `nur´ allein gedacht)
    => Dritte Dialektik, Thema: Zusammenspiel aus `Moral Reasons´ und `Moral Sentiments´
    Letzte Dialektik `Selbstliebe´ (wieviel Egoismus ist angebracht, oder gar notwendig)
    7.3 Self-Interest Theories: Critical Phase in the Enquiry (Kritik an den `Theorien der Selbstliebe´)
    7.4 Justice: Constructive Phase (Gerechtigkeit wird intersubjektiviert, ein bisschen Nutzen und Angenehm für mich, und ein bisschen mehr Nutzen, oder mehr Angenehm für die anderen).
    4. These: David Hume widerspricht sich nicht, wenn er einmal sagt `es gibt keinen Weg von is zu ought´ und er, `das andere Mal einen Weg von is nach ought´ vorstellt, dann liegt dazwischen die Dialektik, und wenn er einmal sagt `es ist nicht irrational (durch logisches Schliessen), einen eingerissenen Fingernagel mehr zu fürchten als den Untergang von Nationen´, und das andere Mal sagt, `es ist zwar nicht irrational, aber sehr wohl absurd (Mangel an Verhältnismäßigkeit), es ist auch verächtlich (Missbilligung durch die Anderen, wenn sie davon hören sollten), und es ist ekelhaft, niederträchtig (Selbstverachtung, durch Missbilligung), dann liegt dazwischen die Dialektik, die abstossende, moralische Gesamtwürdigung, des Ereignisses durch seine kategorisch unbarmherzigen `Moral-Sentiments´, die ist Humes Urteilskraft für adäquate Moral.
    Textstellennachweis (R. Cohon, at Stanford, 5.3. `Belief´, der Kapitelabschluss), für diesen humeanischen Kausalitätsbegriff:
    “It is far better, Hume concludes, to rely on “the ordinary wisdom of nature”, which ensures that we form beliefs “by some instinct or mechanical tendency”, rather than trusting it to “the fallacious deductions of our reason” (EHU 5.2.22/55).
    In keeping with his project of providing a naturalistic account of how our minds work, Hume has given empirical explanations of our propensity to make causal inferences, and the way those inferences lead to belief.”
    Fazit: Er misstraut dem Naturgesetz (er ist kein Determinist), er nimmt sehr wohl Verbindungen zwischen Ereignis, und Folge wahr, verzichtet aber auf Deduktion, sondern sucht stattdessen nach einer empirischen Inferenzkausalität, die stark genug ist um eine `ideale Überzeugung´, über den Zusammenhang zu bewirken.
    5. These, Kausalität gewinnt man bei David Hume folgendermaßen:
    Textstellennachweis (R. Cohon, at Stanford, 5. Kausalität):
    “When Hume enters the debate, he translates the traditional distinction between knowledge and belief into his own terms, dividing “all the objects of human reason or enquiry” into two exclusive and exhaustive categories: relations of ideas and matters of fact.
    Propositions concerning relations of ideas are intuitively or demonstratively certain. They are known a priori—discoverable independently of experience by “the mere operation of thought”, so their truth doesn’t depend on anything actually existing (EHU 4.1.1/25). That the interior angles of a Euclidean triangle sum to 180 degrees is true whether or not there are any Euclidean triangles to be found in nature. Denying that proposition is a contradiction, just as it is contradictory to say that 8×7=57.
    In sharp contrast, the truth of propositions concerning matters of fact depends on the way the world is. Their contraries are always possible, their denials never imply contradictions, and they can’t be established by demonstration. Asserting that Miami is north of Boston is false, but not contradictory. We can understand what someone who asserts this is saying, even if we are puzzled about how he could have the facts so wrong.
    The distinction between relations of ideas and matters of fact is often called “Hume’s Fork”, and is generally used with the negative implication that Hume may be illicitly ruling out meaningful propositions that don’t fit into these two categories or fit into both of them. To defuse this objection, however, it is important to bear in mind that Hume’s categories are his translations of a traditional absolute categorical classificatory distinction between knowledge and belief that all of his contemporaries and immediate predecessors accepted.
    Hume’s method dictates his strategy in the causation debate. In the critical phase, he argues that his predecessors were wrong: our causal inferences aren’t determined by “reason or any other operation of the understanding” (EHU 5.1.2/41). In the constructive phase, he supplies an alternative: the associative principles are their basis. Hume’s contributions to the critical phase of the causation debate are contained in Treatise 1.3.6 and Section 4 of the first Enquiry, appropriately titled “Sceptical doubts concerning the operations of the understanding”. The constructive phase in his Enquiry account is the following section, also appropriately titled “Sceptical solution of these doubts”, while the corresponding sections of the Treatise stretch from 1.3.7 through 1.3.10.”

    • Ich finde auch, dass der Artikel von Rachel Cohon ausgeglichen ist. Aber sie betont eben auch die “problematische” Seite an Hume, m.E. sehr zurecht – gerade vor diesem Hintergrund wird Kants Theorie verständlich – ohne damit zu sagen, dass Kants Moralphilosophie “besser” wäre – sie hat ihre eigenen gravierenden Probleme. Aber in unserem Wikiseminar geht es vor allem darum, Problembewusstsein zu entwickeln bezüglich des Verhältnisses von Vernunft, Verstand, Moral, Gefühl, Sein und Sollen. Die hermeneutische Detaildiskussion der jeweiligen historischen Positionen kann dann im Rahmen von Hausarbeiten erfolgen.

      Folgende Stellen möchte ich aus dem SEP-Artikel hervorheben:

      “His[Hume’s] thesis is that reason alone cannot move us to action; the impulse to act itself must come from passion. The doctrine that reason alone is merely the “slave of the passions,” i.e., that reason pursues knowledge of abstract and causal relations solely in order to achieve passions’ goals and provides no impulse of its own, is defended in the Treatise, but not in the second Enquiry”

      “Hume claims that moral distinctions are not derived from reason but rather from sentiment. His rejection of ethical rationalism is at least two-fold. Moral rationalists tend to say, first, that moral properties are discovered by reason, and also that what is morally good is in accord with reason (even that goodness consists in reasonableness) and what is morally evil is unreasonable. Hume rejects both theses.”

      “In the Treatise he argues against the epistemic thesis (that we discover good and evil by reasoning) by showing that neither demonstrative nor probable/causal reasoning has vice and virtue as its proper objects. Demonstrative reasoning discovers relations of ideas, and vice and virtue are not identical with any of the four philosophical relations (resemblance, contrariety, degrees in quality, or proportions in quantity and number) whose presence can be demonstrated.”

      “Causal reasoning, by contrast, does infer matters of fact pertaining to actions, in particular their causes and effects; but the vice of an action (its wickedness) is not found in its causes or effects, but is only apparent when we consult the sentiments of the observer. Therefore moral good and evil are not discovered by reason alone.”

      Zum “Sein-Sollens-Fehlschluss” schreibt Cohon treffend:

      “Few passages in Hume’s work have generated more interpretive controversy.”

      Sie führt weiter aus:

      “According to the dominant twentieth-century interpretation, Hume says here that no ought-judgment may be correctly inferred from a set of premises expressed only in terms of ‘is,’ and the vulgar systems of morality commit this logical fallacy. This is usually thought to mean something much more general: that no ethical or indeed evaluative conclusion whatsoever may be validly inferred from any set of purely factual premises. A number of present-day philosophers, including R. M. Hare, endorse this putative thesis of logic, calling it “Hume’s Law.” (As Francis Snare observes, on this reading Hume must simply assume that no purely factual propositions are themselves evaluative, as he does not argue for this.) Some interpreters think Hume commits himself here to a non-propositional or noncognitivist view of moral judgment — the view that moral judgments do not state facts and are not truth-evaluable. (If Hume has already used the famous argument about the motivational influence of morals to establish noncognitivism, then the is/ought paragraph may merely draw out a trivial consequence of it. If moral evaluations are merely expressions of feeling without propositional content, then of course they cannot be inferred from any propositional premises.) Some see the paragraph as denying ethical realism, excluding values from the domain of facts.”

      Zugleich führt sie die alternative Lesart an (die ich nicht vertrete, aber die ich respektiere):

      “Other interpreters — the more cognitivist ones — see the paragraph about ‘is’ and ‘ought’ as doing none of the above. Some read it as simply providing further support for Hume’s extensive argument that moral properties are not discernible by demonstrative reason, leaving open whether ethical evaluations may be conclusions of cogent probable arguments. Others interpret it as making a point about the original discovery of virtue and vice, which must involve the use of sentiment. On this view, one cannot make the initial discovery of moral properties by inference from nonmoral premises using reason alone; rather, one requires some input from sentiment. It is not simply by reasoning from the abstract and causal relations one has discovered that one comes to have the ideas of virtue and vice; one must respond to such information with feelings of approval and disapproval. Note that on this reading it is compatible with the is/ought paragraph that once a person has the moral concepts as the result of prior experience of the moral sentiments, he or she may reach some particular moral conclusions by inference from causal, factual premises (stated in terms of ‘is’) about the effects of character traits on the sentiments of observers. They point out that Hume himself makes such inferences frequently in his writings.”

  • Hallo Herr Dr. Noller, vielen Dank für Ihre sehr spannende Schwerpunktsetzung, das bietet mir den passenden Einstieg dafür, um ein Gegenbeispiel zu Kant einzuführen – ohne damit zu sagen, dass David Humes Moralphilosophie besser wäre – sie hat ebenfalls ihre eigenen gravierenden Probleme. Es geht mir mehr um Ihren Hinweis mit dem `Problembewusstsein zu entwickeln´, i.V. damit dass David Hume immer an Kant gemessen wird (nicht nur bei Ihnen, sondern v.a. mehrheitlich in der Rezeptionsgeschichte), was ich allein deshalb schon unfair finde, weil Kant sich zu Hume äußern konnte, aber Hume nicht zu Kant, deshalb möchte ich G. E. Moore zu Wort kommen lassen (einer dieser englischen Psychologen, wie Nietzsche sagen würde, und dabei rhetorisch fragen: “Was wollen die eigentlich?”)
    Nun, in Bezug auf Kant wollen sie folgendes:
    “Diese Theorie findet an dem analogen Irrtum ihre Stütze, den Kant für den Kernpunkt seines Systems hält, und der äußerst weite Verbreitung gefunden hat. Die irrige Auffassung lautet, dass `wahr´ oder `wirklich´ sein gleichbedeutend ist mit: auf besondere Art gedacht werden. Bei dieser Erörterung möchte ich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf folgende Punkte lenken: a) Wollen und Fühlen entsprechen nicht in der angenommenen Weise der Erkenntnis, weil sie, insofern diese Wörter eine Geisteshaltung gegenüber einem Gegenstand ausdrücken, selbst bloß Weisen des Erkennens sind; sie unterscheiden sich nur hinsichtlich der Art des Gegenstandes, den sie zur Kenntnis nehmen, sowie hinsichtlich der übrigen geistigen Begleitumstände solcher Erkenntnisvorgänge; b) der Gegenstand einer Erkenntnis muss allgemein von der Erkenntnis, deren Gegenstand er ist, unterschieden werden; folglich kann in keinem Fall die Frage, ob der Gegenstand wahr ist, identisch sein mit der Frage, wie er oder ob er überhaupt erkannt wird; es folgt, dass, selbst wenn der Satz `Dies ist gut´ immer der Gegenstand bestimmter Weisen des Wollens oder Fühlens wäre, die Wahrheit dieses Satzes in keinem Fall durch den Nachweis begründet werden könnte, dass es ihr Gegenstand sei; noch viel weniger kann dieser Satz selbst identisch sein mit dem Satz, dass sein Subjekt das Objekt eines Willens oder Gefühls ist (§§ 77-84)” – G. E. Moore `Principia Ethica – Kap. IV´, Verlag: Reclam, Stuttgart.
    => Wenn ich Moore richtig verstanden habe, dann entzündet er sich an Kants `notwendiger Weise wahr´ (der `Gute Wille´ ist notwendigerweise gut), er weist daraufhin dass Wollen (Denken?) und Fühlen gleichrangige Erkenntnisvorgänge sind, die sich nur, hinsichtlich des (Erkenntnis-)Gegenstandes nicht jedoch hinsichtlich der (Erkenntnis-)Qualität unterscheiden.
    => Das weckt bei mir Assoziationen zu Schopenhauers Kritik an Kant, Schopenhauer kritisiert hauptsächlich dreierlei:
    a) `freie Unterwerfung´ ist eine Kontradiktion, man kann nur entweder frei oder unterworfen sein.
    b) der Begriff `Achtung´ wird von Kant missbräuchlich verwendet, da er den `Guten Willen´, über das `Gesetz in mir´, mit `handeln aus Pflicht´ verknüpft, Schopenhauer sagt, Kant habe den Begriff `Gehorsam´ durch seine Falschverwendung von `Achtung´ verschleiern wollen.
    c) er kritisiert die beiden Vorausannahmen von Kants Ethik, zum einen die Existenz Gottes, und zum anderen das ewige Leben, und er bezeichnet Kants Ethik daher nicht als `Sittlichkeitsphilosophie´, sondern als Sittlichkeitstheologie´.
    Meine ganz persönlichen Fragen/Zweifel wären (ohne Rücksicht auf diese beiden`Vorredner):
    I. “Wie kann eine Ethik die jegliche experimentelle Überprüfung verweigert, für sich beanspruchen, notwendigerweise wahr zu sein?”
    II. “Weshalb ist `apriorisch-synthetisch´ mehr als `empirisch-analytisch´, und wie will Kant das unter Beweis stellen?”
    III. “Wenn er in der Grundlegung von der `Sittlichen Weltweisheit´, über die `(berufs-)philosophische Sittlichkeit´, zur `Transzendentalen Sittlichkeit´ aufsteigt, dann postuliert eine Hierarchie die jeglichem menschlichen Empfinden zu wider läuft, wieso nehmen so viele Kants Einordnung hin?; und wieso verlangen so wenige empirische Nachweise?”
    => Bezogen auf Hume möchte ich ungern die Rezeptionsgeschichte verlängern, da ich sie für weitestgehend widerlegt halte!
    Philippa Foot bspw. weist explizit daraufhin, dass David Hume keinerlei Verantwortung dafür tragen würde, was zwischen 1890 und 1960 alles fälschlich (Wiener Kreis, Linguistik Turn, L. Wittgenstein, R.M. Hare) in ihn hineininterpretiert wurde (bipolarer Nonkognitivismus, von Emotivismus bis Präskriptivismus).
    => Das hat alles gar nix mit David Hume selbst zu tun, sondern es repräsentiert, allein nur das Sendungsbewusstsein dieser `sehr speziellen´ Interpreten.
    Ich selbst habe mittlerweile nicht nur beides gelesen (3 Treatises + 2 Inquiries), sondern v.a. beides miteinander abgeglichen, und mein Prüfungsergebnis dazu lautet:
    => In den drei Treatises steht nur mehr (zusammen gut 1100 Seiten), aber nichts Inhaltsverschiedenes zu den zwei Inquiries (zusammen gut 340 Seiten).
    Ich habe zur (Eigen-)Kontrolle, Humes Brief an einen Edelmann ausgewertet, in dem er sich bitterlich über die Rezeptionsgeschichte dieser drei Treatises beschwert.
    Ich habe von David Hume, die politischen Essays quergelesen, um zu überprüfen ob er durchgehend Konsistent bleibt.
    Beides Verlag: Felix Meiner, Hamburg.
    Ich habe keine Erklärung dafür, warum er fast 100 Jahre lang, kontradiktorisch zu seiner eigenen Haltung interpretiert wurde.
    M. E. ist das eines der ganz großen Versagensleistungen in der Philosophiegeschichte, denn David Hume selbst, sagt resignierend dazu, dass jeder neuerliche Versuch sein eigenes Werk zu erläutern oder zu erklären sinnlos sei, da es gar kein Wohlwollen, oder Bereitschaft dafür gäbe, seine Werke in seinem Sinne zu rezipieren.
    Ich möchte den Verschwörungsverdacht nicht verlängern, da es mit Philippa Foot, David F. Norton, Annette C. Baier, Jaqueline Taylor, und in Teilen, mit Rosalind Hursthouse mittlerweile sehr fundierte, oder zumindest mich selbst überzeugende Interpretationen von David Hume gibt.
    => Aber dass David Hume in erster Linie ein `Kontraktualist´ war, das hat bisher nur David Gauthier in dieser plakativen Deutlichkeit erkannt, wie sie mir, nach meinem Lesen von Thomas Hobbes `Leviathan´ und John Locke `2nd Treatise of Civil Government´ in den beiden Semestern davor, sofort, und ungefiltert ins Auge sprang.
    Wenn ich zu David Hume schreiben würde, dann müsste zuerst der Gesellschaftsvertrag kommen, als den übereinkünftigen Willen, dieser Gemeinschaft all derer die unter diesem Vertrag versammelt sind, und in dem Moment wird die Sittlichkeit (das über gesetzliche Recht) zum Kontrollorgan für rechtspositivistische Tendenzen, und Übertreibungen (das gesetzliche Recht).
    Die Humeanische Sittlichkeit ganz ohne den gesellschaftlichen Hintergrund, in den sie eingebettet ist darstellen zu wollen, heißt ihr das Fundament zu entziehen.
    Das befasst mich vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ganz besonders, da die Radebruch´sche Formel genau darauf fußt, dass dort `Wo das gesatzte Recht dazu benutzt wird, menschenverachtendes Unrecht auszuüben, der Widerstand für Jedermann zur Pflicht wird!´
    => Das ist eine Formel, die für Kant undenkbar gewesen wäre!; in “Über den Gemeinspruch” lehnt er sogar das Lockesche Widerstandsrecht vehement ab, damit wurden aber bspw. die Attentäter des 20. Juli 1944 (Graf Stauffenberg & Co.) von ihrer militärischen Gehorsamspflicht entbunden, um nicht auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin als (Volks-)Verräter gebrandmarkt werden zu können, und später ist dann, das Lockesche Widerstandsrecht als Art. 20 Abs. IV in unser “Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland” eingeflossen.
    => Eine `Sittlichkeit´, die (allein aus sich heraus) Anspruch auf `kategorische´ Wahrheit erhebt, ohne dabei auf dem Willen der Gemeinschaft aller Gesellschaftsmitglieder abgestützt zu sein, die weckt bei mir, sehr ungute Erinnerungen an die Deutsche Vergangenheit.

    Der oben erwähnte Aufsatz von David Gauthier heißt: “David Hume, a Contractarian?”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sidebar