Philippa Foot – Natural Goodness

Philippa Ruth Foot (* 3. Oktober 1920 in Owston Ferry, Lincolnshire; † 3. Oktober 2010 in Oxford, Oxfordshire) war eine britische Philosophin und zählte zu den Begründern der gegenwärtigen Tugendethik. Ihre Moralphilosophie ist wesentlich von Aristoteles beeinflusst. Sie vertritt die These, dass das moralisch Gute und Böse sich in Analogie zu moralischen Kategorien verstehen lässt. Dementsprechend muss das Böse als eine Art Defekt verstanden werden.

  1. Kritik an der non-kognitivistischen, subjektivistisch-emotiven Auffassung
    1. Tatsache und Wert
    2. Forderung des handlungsleitenden Charakters der Moral
  2. Praktische Rationalität und Handlungsgründe
    1. Aristotelische Notwendigkeit
  3. Der Begriff des „Guten“
    1. Das „Gute“ als natürliche Qualität und Defekt
    2. Aristotelian categoricals und Muster Natürlicher Normativität
    3. Die Teleologie menschlicher Lebensweise
  1. Kritik an der non-kognitivistischen, subjektivistisch-emotiven Auffassung

Die von Foot begründete Theorie der „Natural Goodness“ baut argumentativ auf einer kritischen Bewertung und Zurückweisung der non-kognitivistischen Auffassung, nach der „gut“ als eine nicht-natürliche Eigenschaft erklärt, und moralisches Urteil an die Bedingung der Gefühle und Einstellungen geknüpft ist, da deskriptiver Gehalt einer Tatsachenbeschreibung inhaltlich nicht hinreichend für Normativität ist. Die Wahrheitsbedingungen moralischer Urteile sind folglich wesentlich subjektiv, daher die logische Kluft.

    1. Tatsache und Wert

Foot fasst die logischen Folgen des von Hume begründeten Sein-Sollens-Fehlschlusses, dem zufolge die obige Problematik der logischen Kluft zwischen Tatsachen und moralischem Urteil auf der Überzeugung Humes beruht, dass Sittlichkeit kein Gegenstand der Vernunft, sondern des Gefühls sein muss, folgendermaßen zusammen: „Tatsache und Wert waren also scheinbar unterschieden worden: Tatsache war das Gegenstück zur Tatsachenaussage, Wert das Gegenstück zum Ausdruck von Gefühl, Einstellung oder Vorsatz.“ (23)

    1. Forderung des handlungsleitenden Charakters der Moral

Foot verneint die non-kognitivistischen Bedingungen moralischen Urteilens und die logische Kluft, erhält aber Humes Bezug auf denhandlungsleitendenCharakter der Moral, stellt also den Praxisbezug als Forderung an den eigenen Ansatz.

Foot interpretiert den handlungsleitenden Aspekt moralischen Handelns, indem sie moralisches Handeln in den Kontext der praktischen Rationalität stellt.

  1. Praktische Rationalität und Handlungsgründe

Es sei betont, dass sie bewusst argumentativ davon absieht, die praktische Rationalität moralischen Handelns auf bereits ausgearbeitete Annahmen theoretisch anzupassen, worin sie einen strategischen Fehler begangen sieht. Stattdessen formuliert sie den Zusammenhang von Moral und praktischer Rationalität unter folgenden Aspekten:

  1. Gesamtheit praktischer Rationalität erstreckt sich nicht nur ausschließlich über „Moral“
  2. Alle Handlungen, ob altruistisch, utilitaristisch oder egoistisch, sind „in demselben Sinne eine Komponente oder ein Aspekt praktischer Rationalität …
  3. und stehen auf einer Ebene: Ein Urteil darüber, was praktische Rationalität erfordert, muß die Gesichtspunkte, die wir nicht-moralisch nennen, in ein Verhältnis zu den Gesichtspunkten setzen, die wir moralisch nennen, und umgekehrt.“ (26)

Das Fundament der praktischen Rationalität besteht in der Qualität der Entscheidung, das heißt, jedes Kriterium praktischer Rationalität ist aus dem Kriterium für die Qualität des Willens abgeleitet. (27) Dieses „Kriterium für die Qualität des Willens“ kann am Wesen von Tugenden erläutert werden. Eine Tugend zu haben, z.B. gerecht zu handeln, wird zur Folge haben, dass der Gerechte gerecht handelt. Dennoch kann ein Fall eintreten, in dem der Gerechte unverschuldet tötet, auch wenn sein Wille nach Gerechtigkeit strebt. Foot folgert hieraus,

es sei das unterscheidende Merkmal der Gerechten, daß für sie bestimmte Gesichtspunkte als Handlungsgründe zählen, und zwar als Gründe, die so und so stark ins Gewicht fallen?“ (27)

Foot begründet aus dem Begriff der Tugend, der wesentlich durch die Anerkennung bestimmter Gesichtspunkte als Handlungsgründe und entsprechende Handlung definiert wird, was „gut“ ist, in Bezug auf eben solche Handlungsgründe.

Der zentrale Aspekt handlungsleitender, also praxisbezogener Moral ist bei Foot das Befolgen von Handlungsgründen, die aus dem Kriterium der Qualität der Entscheidung direkten Bezug auf die praktische Rationalität herstellen.

Die praktische Rationalität operiert an verschiedenen Komponenten zwischen Zielen, Handlungsgründen, Tugenden und dem Willen. In jedem Fall aber bedeutet sie die Qualifizierung des Menschen zu gutem Handeln (30).

    1. Aristotelische Notwendigkeit

Wie auch für Kant, ist das moralisch gute allein der gute Wille, dessen moralische Güte für Foot aber nicht in einer abstrakten Vorstellung praktischer Vernunft begründet sein kann, sondern nach praktischer Rationalität in Abhängigkeit „von wesentlichen Zügen spezifisch menschlichen Lebens“ bewertbar ist (31).

Die Bewertung menschlichen Handelns muss also einerseits am Willen praktischer Vernunft, andererseits an „wesentlichen Zügen spezifisch menschlichen Lebens“ orientiert sein.

Meine allgemeine These ist, daß die moralische Beurteilung menschlicher Handlungen und Dispositionen ein Fall einer Art des Bewertens ist, die selbst gerade dadurch gekennzeichnet ist, daß sie Lebewesen betrifft.“ (18)

Die Abhängigkeit der Moral von spezifischem Leben der Menschen bedeutet einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen etwas gutem und der betreffenden Lebensform. Der Begriff der „Aristotelischen Notwendigkeit“ beschreibt etwas als notwendig, dessen Folge etwas Gutes in Bezug auf spezifische Lebensform bedeutet. Der Fokus der moralischen Bewertung ist auf die Zweckmäßigkeit der Handlung hinsichtlich artenspezifischer Faktoren wie Reproduktion, Lebensraum oder Organisation gerichtet. Für Pflanzen stellt Wasser, für Vögel der Nestbau und für Wölfe die Jagd im Rudel ebenso eine aristotelische Notwendigkeit dar, wie für Menschen die Institution des Versprechens.

“»Aristotelische Notwendigkeit« beschreibt „etwas, das notwendig ist, weil und insofern etwas Gutes davon abhängt.”

“»Aristotelischen Notwendigkeiten« hängen davon ab, was die jeweilige Pflanzen-oder Tierspezies braucht sowie von ihrem natürlichen Lebensraum und von ihren Möglichkeiten, darin zurechtzukommen. Diese Faktoren bestimmen, was es für die Mitglieder einer bestimmten Spezies heißt, so zu sein, wie sie sein sollten, und das zu tun, was sie tun sollten.“ (31f.)

Aus der soweit erläuterten praktischen Rationalität moralischen Handelns wird der Versuch unternommen, den handlungsleitenden Charakter moralischen Urteilens zu erklären, ohne im Begriff praktischer Rationalität jegliche subjektive Bedingung für moralisches Urteilen zu setzen.

Der handlungsleitende Charakter moralischen Urteilens besteht in der alle Gesichtspunkte tangierenden, immer selben Art von Verknüpfung mit Handlungsgründen, die in jedem Fall über die praktische Rationalität und Tatsachen menschlichen Lebens verläuft.

Die notwendige Verknüpfung zwischen moralischem Urteil und Handlung begründet Foot mit dem Inhalt moralischer Urteile, der etwas über Handlungen sagt und die Handlungsgründe einer jeden Person betrifft. Die inhaltliche Verknüpfung besteht daher für jeden Menschen nach seiner praktischen Rationalität in Form von Handlungsgründen ganz unabhängig davon, diese anzuerkennen oder nach ihnen zu handeln. Einzig entscheidend für den praktischen Charakter der Moral ist „das Verstehen von Gründen“ (36).

  1. Der Begriff des „Guten“

Der Begriff des Guten bei Foot erschließt sich letztlich aus Mustern natürlicher Normativität, die über den Begriff Aristotelischer Notwendigkeiten das Verhältnis von Tatsache und Wert unter Aspekten natürlicher Qualität und Defekts teleologisch bewerten lassen.

    1. Das „Gute“ als natürliche Qualität und Defekt

Merkmale sub-rationaler Lebewesen können einerseits im Zusammenhang menschlichen Lebens als „gut“ oder „schlecht“ bewertet werden, allerdings „in einem sekundären Sinne“ (45), wohingegen ihnen außerhalb des Zusammenhangs anderer Lebewesen, diese Merkmale „unabhängig“, „intrinsisch“ zukommen, im Sinne einer „natürlichen Qualität“ (44f.).

Gut“ als natürliche Qualität sub-rationaler Lebewesen wird anhand von Aristotelian categoricals, als Tatsachenaussage über eine Spezies, und der in ihren Vollzügen begriffenen teleologischen Verfasstheit als Wert diskutiert. Im Mittelpunkt der Bewertung steht das jeweils spezifisch charakteristische Leben mit in seinen Vollzügen und Zwecken liegenden Bezügen auf Teleologie und Kausalität.

Dagegen kann man »natürliche« Qualität, so wie ich sie definiere, nur Lebewesen selbst, ihren Teilen, Eigenschaften und Vollzügen zuschreiben. Sie ist intrinsisch oder »autonom«, insofern die Zuschreibung von gut unmittelbar von der Beziehung eines Individuums zu der »Lebensform« seiner Spezies abhängt.“ (45 f.)

    1. Aristotelian categoricals und Muster natürlicher Normativität

Die Besonderheit der Aritotelian categoricals besteht in deren Bezug auf die Teleologie der Spezies. Sie liefern Beschreibungen bestimmter Lebensformen anhand ihrer Lebenserhaltungs- und Reproduktionszyklen und der Art und Weise der Vollzüge ebendieser, aus denen Normen abgeleitet, und schließlich auf ein Individuum einer Spezies angewendet werden können, um festzustellen, inwiefern ihm natürliche Qualitäten oder Defekte zukommen (54).

Foot argumentiert, dass die logische Struktur der Bewertung dieser, -auf Vorstellungen von Funktion und Zweck bezogenen, teleologischen Form der Erklärung natürlicher Qualität sub-rationaler Lebewesen, auf die Bewertung moralischer Qualität und Defekts des menschlichen Willens anwendbar ist. Natürlich verändern sich die der jeweiligen Lebensform charakteristischen funktionalen Zusammenhänge und Zwecke bei diesem Übergang: die Muster natürlicher Normativität erschließen sich für botanisches Leben in schwach normativen sub-rationalen Vollzügen, wohingegen zoologische Lebensformen stärker normativ geprägte und soziale Funktionen bezüglich ihrer Zwecke entwickelt haben.

    1. Die Teleologie menschlicher Lebensweise

Die Teleologie des Menschen erschöpft sich nicht im Überleben allein.“ (64)

Die Eigenschaften und Vollzüge menschlicher Lebensweise, wie am Beispiel des Versprechens deutlich wird, benötigen die Fähigkeit, den Willen anderer zu binden. Das Schema Aristotelischer Notwendigkeiten der Menschen schließt zur Erreichung des Guten bezüglich seiner Lebensform, über die der Pflanzen und Tiere hinweg, noch weitere Notwendigkeiten ein, wie „Vertrauen und Respekt“, „Ehrfurcht und Verläßlichkeit“ innerhalb menschlicher Gemeinschaft (71).

Es ist der menschlichen Lebensweise und ihrem Wohl essenziell notwendig und nützlich, also eine Aristotelische Notwendigkeit, Erwartungen zu erfüllen und erfüllt zu bekommen. Die „Verpflichtung“ dient als Instrument „der besseren Bewältigung“, ist also eine menschlich-teleologische Einrichtung natürlicher Qualität (74). Ein menschliches Individuum erkennt, soweit in guter Verfassung, was für es gut ist, also wovon sein Gut abhängt, als Handlungsgrund an.

Trotz der weitaus differenzierteren Lebensweise der Menschen bleibt die logische Struktur der Frage, „was gut für ein Lebewesen ist“, in spezifischem-, und „wie gut das Lebewesen in verschiedener Hinsicht verfaßt ist“, in exemplarischem Bezug auf die Bestimmung „natürlicher Qualitäten“ erhalten (63).

Entscheidend für menschliche Lebensweise und deren Natural Goodness ist schließlich, dass menschliches Wohl „sui generis“ ist (75). Der Mensch und sein Gut sind rational, nicht vegetativ-botanisch oder sub-rational-zoologisch verfasst, sondern rational-anthropologisch.

Die logische Struktur der Bewertung bleibt teleologisch. Natürliche Qualität bemisst sich nach der teleologischen Verfasstheit, und folglich muss die Bewertung natürlicher Qualität von „Charakter, Disposition und Willensentscheidung“ bei rationalen Lebewesen auf teleologisch-anthropologische Gesichtspunkte gerichtet sein (75).

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