Naturalistischer Fehlschluss nach Moore

Die Suche nach einer Definition dafür was gut sein soll, hat Philosophiegeschichte lange Tradition. Die Vorstellungen reichen dabei von Tugenden, über Pflicht, eine innere Einstellung bis hin zum Glücklichsein.  Doch laut G. E. Moore begehen wir eine einen Fehlschluss, wenn wir davon ausgehen „gut“ so beschreiben zu können.

Gut ist laut G E. Moore nicht definierbar, einfach und nicht analysierbar. Nicht definierbar bedeutet schlicht, dass es sich nicht so beschrieben werden kann, dass die Beschreibung vollständig ist. Einfachheit sagt aus, dass es nur vollkommen verständlich ist was „gut“ ist, wenn man bereits eine Vorstellung davon hat was es ist. Nicht analysierbar ist es, weil es nur tautologisch definiert werden kann: Gut ist gut.

Betrachtet man das anhand eines Beispiels wird es klarer. Die Farbe Rot ist nicht zu verstehen für jemanden der sie noch nie gesehen hat. Selbst wenn wir alle Gegenstände die rot sind aufzählen bringt uns dies nicht dazu, zu verstehen was rot ist. Nur wer rot erlebt, also gesehen hat, hat einen Bezugspunkt. Außerdem ist es nicht analysierbar, da wir es nur mit sich selbst, beziehungsweise mit Synonymen oder phänomenologisch verwandten Begriffen definieren können.

Die Behauptung, dass „gut“ diese Eigenschaften hat, verteidigt er mittels dem Argument der offenen Frage. G. E. Moore meint, dass egal wie wir gut definieren, die Frage danach ob die Definition selbst gut sei offen bleibt. Wenn beispielsweise durch Lust festgelegt sein soll ob etwas gut ist. Kann die berechtigte Frage gestellt werden ob etwa Lust selbst gut ist. Außerdem stellt er fest, dass gut dennoch nicht bedeutungslos ist, denn wenn wir beispielsweise sagen, etwas ist lustvoll, dann meinen wir nicht dass etwas gut ist, sondern dass es lustvoll ist. Gut ist also von lustvoll verschieden und nur durch sich selbst festgelegt. G. E. Moore gesteht allerdings ein, dass das Argument der offenen Frage nicht sagen kann, ob etwas vielleicht das einzige Kriterium für die Gutheit einer Sache sein kann.

Wenn man davon ausgeht, dass die Überlegungen von E. G. Moore bezüglich des naturalistischen Fehlschlusses nach Moore korrekt sind, so hat dies Auswirkungen darauf, wie wir Ethik betreiben können. Tugendethik wäre beispielsweise zu überdenken oder gleich grundsätzlich als unvollständig abzulehnen. Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass man gerade in der Verwendung der Begrifflichkeiten zum Thema „gut“ Vorsicht walten lassen sollte und eine genaue Hinterfragung des eigenen sprachlichen Gebrauchs von Nöten ist.

Kritik

Ein Einwand, der gegen G. E. Moore naturalistischen Fehlschluss eingelegt wird, ist, dass es eine Tautologie ist. Natürlich stimmt das auch, denn wenn nur „gut“ gut ist und nichts anderes, dann erfüllt das die Definition einer Tautologie. Allerdings vergisst dieser Einwand, dass die tautologische Vorstellung von „gut“ bei  G. E. Moore am Ende seiner Überlegungen steht und eben nicht damit begonnen wird.

Einige Naturalisten sind der Meinung, dass Fakten und Werte nicht in Opposition stehen, sondern Hand in Hand miteinander gehen.  Sie Sagen also es ist kein Fehlschluss, weil gar kein Schluss stattfindet. Wie gut eine Handlung ist wird dabei durchaus in nicht ethischen natürlichen Ausdrücken definiert. Beispielsweise kann für den Utilitaristen das gut-Sein einer Handlung eben identisch mit der Menge an Freude, die sie in der Welt verbreitet, sein.

Ein weiterer Kritikpunkt, ist, dass wir durch den Ansatz Moores nicht mehr über „gut“ erfahren, sondern weniger. Indem einfach gesagt wird, dass gut nicht definiert werden kann erfahren wir nichts, außer dass es nichts zu erkennen gibt. Ob es nötig ist mehr darüber zu erfahren oder ob die Existenz des guten alleine schon ausreicht, ist sicherlich offen für Diskussionen. Hier könnte man argumentieren, dass für uns kein Problem zu sein scheint, wenn wir beispielsweise über Farben reden.

Im Gegensatz zum Adjektiv „gut“ kann laut Moore „das Gute“ definiert werden. Das Gute ist dabei die Menge aller Entitäten die als gut bezeichnet werden. Dies führt zu einem Mengentheoretischen Problem. Wenn wir jetzt die Frage stellen, ob das „Gute selbst“ gut ist, so lautet die intuitive Antwort, dass dem so ist. Jedoch würde sich die Menge dann selbst enthalten. Ein Problem, das historisch gesehen immer wieder Relevanz erlangt. Die Möglichkeit einfach festzulegen, dass „das Gute“ nicht gut ist, ermöglicht zwar, dass wir keine Probleme mit der Menge bekommen, jedoch ist dann die Frage, ob denn das Gute auch gut sei, keine offene Frage mehr. Dies wäre wiederum problematisch für Teile der Verteidigung von G. E. Moore.

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