David Hume(7): Kompatibilismus, oder Schwacher Determinismus

Vorgeschichte zu diesem Beitrag

Der sog. Kompatibilismus, wurde von, mir, schon im wiki-Artikel David Hume (2) kurz vorgestellt, der sich mit David Humes, deskriptiver Anthropologie Science of Man befasst hatte. Diese Kurzvorstellung, wurde von mir, durch (optisch) abgesetzte Zitate von Prof. Dr. Gerhard Roth (Bremen), textbegleitend kommentiert. Der in seiner eigenen Konklusion, zum Limbischen System, zu folgendem Ergebnis kam: „Nach heutiger, Kenntnis, sind sowohl die bewussten über den präfrontalen und, den parietalen sowie, den motorischen Cortex ablaufenden Prozesse, als auch, die in den Basalganglien und im limbischen System stattfindenden, unbewussten Prozesse, deterministische Vorgänge.“

Ziel meiner Arbeit

Ich möchte, mich, in diesem wiki-Artikel David Hume (7) tiefergehend, mit dem Kompatibilismus befassen. (AV: mit dem schwachen Determinismus.) Da er bei David Hume, fundamental bedeutsam dafür ist, dass eine kausal relevante Ursachen-/und Verantwortungszuschreibung, überhaupt, erst ermöglicht* wird. In diesem Artikel, verfolge ich, vier Ziele. 1. Wo findet der Determinismus-Indeterminismus-Streit statt? 2. Was ist die Handlungs- und Willensfreiheit nun genau, und was bedeutet die Assoziation, oder die Relation, dieser beiden Begriffe zueinander. 3. Ist die Handlungsfreiheit für Verantwortung konstitutiv? 4. Wer von den beiden, der Determinismus oder der Indeterminismus obsiegt in diesem Streit, und was bedeutet das, für die persönliche Verantwortungszuschreibung? (*AV: Nach David Humes Auffassung würde eine völlige Willensfreiheit, notwendigerweise, Beliebigkeit in den Ursachen nach sich ziehen, und da aus Beliebigem, auch immer nur Beliebiges nachfolgt, regieren in diesem Fall nicht der freie Wille, oder die schrankenlose (Willens-)Freiheit, die intentionalen Handlungen dieses Menschengeistes, sondern nur, purer Zufall und reine Willkür.)

1. Was ist der Determinismus-Indeterminismus-Streit, und wo, ist er beheimatet.

Zum einen, in der praktischen Philosophie, wo es um diese Probleme geht: a) Um die Erklärung des Handlungsbegriffes. b) Um den Widerstreit zwischen der erlebten Freiheit, so oder anders zu handeln, und der Unmöglichkeit, Handlungsweisen anders als durch Angabe bedingender Relationen zu erklären. c) Um die innere Abhängigkeit des der Handlung zugrundeliegenden Entscheidens, von der Kenntnis, von Kausalbeziehungen. Und um d) Das Problem der Verantwortung, die ohne Freiheit, ohne liberum arbitrium nicht bestehen zu können scheint. (AV: liberum arbitrium = eine Vorzugswahl, die weder auf reiner Willkür, noch auf den von sich her besseren Gründen beruht.) Und zum anderen, in der Naturerkenntnis, wo es um diese Probleme geht: a) Die Naturerkenntnis hat, nach allgemein herrschender Meinung nicht nur Fakten zu sammeln, sondern, auch Erscheinungen erklären. b) Und, sie hat, die Verhaltensweisen der realen, und möglichen Dinge, zu bestimmen und zu prognostizieren. c) Dabei gehört es, zum Wesen der empirischen Erkenntnis, ursächliche Beziehungen zu erfassen. d) Die Streitfrage, über das Determinismus-Indeterminismus-Problem bezieht, sich auf Probleme, die mit der Erkenntnis von Mikroprozessen zusammenhängen und auf die, damit einhergehende Unmöglichkeit, strikte Prognosen, über das zukünftige Verhalten und Handeln von Menschen zu erstellen. e) Da für die, Naturerkenntnis, deterministische Kausalerkenntnisse nicht erreichbar sind neigen viele Forscher, und Wissenschaftstheoretiker, zum Indeterminismus in der Naturerkenntnis.

2. Was ist Handlungs- und Willensfreiheit?

Die Handlung ist ein Vorgang in der Realität, der einem Handlungssubjekt zugeschrieben wird. Dieser reale Vorgang, einer Handlung die einem Subjekt zugeschrieben wird, ist eine direkte Folge, aus allen gedanklichen Prozessen von intentionalem Charakter. Und die enge Verbindung association, zwischen diesen zwei Konstituenten, der gedanklich-intentionalen und der realen Zustandstransformation, ist das wesentliche Merkmal, des Handlungsbegriffes. Das Problem dabei: Rein behavioristisch, d. h. nur durch die Beschreibung, des äußeren Verhaltens ist das Wesen, der Handlung nicht erfassbar. Daher sind handelnde Subjekte, allein nur solche Systeme, die das Zusammenspiel zwischen dem intentional-gedanklichen Prozess und dem Realisationsvorgang, seines Ergebnisses, verwirklichen können. (AV: Da wir in die Köpfe der anderen nicht hineinschauen können, ist jede Handlung, eines anderen die gelingt und von der er selbst aussagt, sie sei intentional erfolgt als persönlich gewollt, und somit, als intentional-gedanklich herbeigeführt anzusehen.) Die Erklärung der Funktionsweise des handelnden Subjekts, kann als Beziehung, zwischen lenkendem und gelenktem System dargestellt werden. Wesentlich ist hierbei, den intentionalen Prozess, als spezifischen Informationsverarbeitungsprozess aufzufassen. G. H. von Wright (1974/1963) unterscheidet zwei Typen von Handlungstheorien, die kausalistischen und, die intentionalistischen Theorien. Unter der Bezugnahme, auf David Hume, schreibt er: ,,Aus Gründen der Zweckmäßigkeit, werde ich diejenigen die es für möglich halten dass die Intention, eine Humesche Ursache des Verhaltens ist, Kausalisten nennen, und die, die Verbindung, zwischen Intention und Verhalten als eine Verbindung begrifflicher oder logischer Natur ansehen, die nenne ich Intentionalisten. Gegen die kausalistischen Theorien, spricht die Tatsache, dass Absichten und Motive im Sinne unserer Explikation des Kausalgesetzes, keine Ursachen sind. Die Kausalisten sind genötigt, den Begriff der Ursache so auszuweiten, dass er zur bildlichen Rede wird. Sie fassen die Kausalrelation nicht bloß als regelmäßige und, empirisch notwendige Beziehung, zwischen beobachteten Zuständen des Systems auf (AV: oder den direkt, oder indirekt, beobachtbaren konjunktiv Zuständen), sondern sie betrachten auch noch Elemente informationeller Natur als Ursachen. Diese Elemente: Absichten, Ziele, Präferenzen, sind ihrem Wesen nach keine beobachtbaren Zustände. Denn Beobachtbar, sind nur ihre Auswirkungen, und auch dies nur unter gewissen Umstanden. Sie wirken nicht materiell (AV: objektive Tatsache) sondern, ausschließlich, als Informationen. (AV: inter-/subjektive Kommunikation.) Der Intentionalist stößt dagegen, auf die Schwierigkeit, dass er eine Handlung als logische Konsequenz und gleichzeitig, als faktische Folge, eines rationalen Prozesses Ansehen muss. Das Handeln, wird somit, zu einer praktischen Notwendigkeit. (AV: völlig unausweichlich.) Ich stelle deswegen, diesen Theorien, eine formalistisch-teleologische Handlungstheorie gegenüber, die als reine Modifikation der intentionalistischen Lehren, angesehen werden kann.“

3. Ist die Willensfreiheit, für den Handlungsbegriff konstitutiv?

Wenn man eine noch so subtile Beschreibung des Verhaltens eines Handlungssubjektes gibt, erfasst man dennoch nicht das Wesen der Handlung. Denn die Handlung, im oben erörterten Sinne, besteht sowohl aus den gedanklichen Prozessen als auch aus dem Realisationsprozess. Dabei kommt es, fundamental, auf den Lenkungscharakter für die Handlung an. Man kann daher auch sagen: Eine Handlung liegt nur dann vor, wenn es sinnvoll ist, zu sagen, dass das Subjekt, welches die Handlung H vollbracht hat, auch hätte anders handeln können. Es muss also wenigstens einige Knotenpunkte geben, in denen das lenkende System alternative Handlungsmöglichkeiten hat. Mit anderen Worten: Willensfreiheit als konstitutives Element der Handlung bedeutet nicht, dass, die Handlungsentscheidung aus den bedingenden Zusammenhängen herausgelöst, und prima causa ist, sondern dass die Wahlakte nach dem willenhaften Wesen des Subjekts durchgeführt werden. In traditioneller Diktion: Man wählt und will frei (AV: d. h. nur nach seinem eigenen Wesen), was man will. Man ist aber bedingt, durch die biologische, moralische und anerzogene Konstitution des Subjekts, und durch die Einflüsse, und abgeleiteten Vorstellungen die die Person bisher formten. Exkurs: Das oben von mir, dargestellte, eignet sich zur fachlichen Reflexion von einer der heißen Debatten, aus unserem, letzten Tutorium (23.01.17). Dort stand die Frage im Raum, ob man als Individuum die Autonomie, wie Immanuel Kant für absolut unverzichtbar halten muss? (AV: – interpretativehrverletzend wenn man sie nicht hat.) Oder ob, wir nicht alle, sowieso mehr oder weniger heteronom Leben? Und im, sozialen Verbund, sogar alle so leben müssen. (AV: aufgrund diverser Gesetze, und Verordnungen, sowie, der Erziehung und der Schulbildung, und auch, wegen des polizeilichen Führungszeugnisse, usw.) Mir machen, solche Leute, die eine schrankenlose Willensfreiheit Fordern Angst. Ich möchte lieber, von Leuten umgeben sein, die wie ich die Gesetze achten und niemandem etwas zu Leide tun. Heteronom zu sein, das halte ich zum einen, für den absoluten Normalfall und zum anderen, sehe ich, meine eigene freie Lebensgestaltung, durch diese zumeist sehr abstrakte Abhängigkeit nicht eingeschränkt. Daher fühle ich, diesbezüglich, auch keinen Leidensdruck und finde es auch nicht, ehrverletzend, teilweise von anderen gelenkt zu werden, sondern, ich fühle mich, sehr viel sicherer wenn alle um mich herum, auf die gleiche Weise heteronom sind. Der Indeterminist deutet die Handlung im Wesentlichen aus zwei Gründen als frei. 1. Aus dem Bewusstsein des handelnden, und seine Handlungen abwägenden Subjekts, das seine Entscheidungen, als frei erlebt, weil es weiß jetzt kann ich sitzen bleiben, oder aufstehen. Ich kann gerade, so handeln, wie ich mich entscheide. 2. Weil der Handelnde, sich selbst für seine Handlungen verantwortlich fühlt, und er auch, andere Personen für deren eigene ausgeführte Handlungen, für verantwortlich hält. Was den meisten Menschen, ohne dass Freiheit vorausgesetzt würde, problematisch erschiene. Der Determinist versteht, sein Freiheitserlebnis genauso wie der Indeterminist. 1. Nämlich als die Freiheit, des Entscheidens, in Knotenpunkten des weitverzweigten Baumes aller Verhaltensmöglichkeiten. Er fühlt sich frei, und er ist frei, weil er sich so entscheiden kann, wie er selbst, es will. 2. Er sieht aber, darüber hinaus, die Möglichkeit weiter zu fragen: ,,Warum will das Subjekt S es so, wie es seinen Willen in seinen Wahlakten manifestiert?“ Und aus dieser Perspektive, erscheint das Subjekt S und sein wollen, eingebettet in ein Netz von äußeren bestimmenden Einwirkungen und dadurch konditionierter Präferenzbereitschaften. Zwischenfazit: 1. Das Subjekt S ist keine prima causa sondern, eine gewachsene, erziehbare, und wenigstens teilweise erklärbare Entität. 2. Nach deterministischer Auffassung, gibt es deshalb freie Handlungen, weil es erfahrungsgemäß auch solche Systeme gibt die wir Personen nennen. 3. Die sich dadurch, auszeichnen, dass sie auf Grund von informationsverarbeitenden Prozessen, ihre Entscheidungen treffen. 4. Und die, des Weiteren, auch ihr Verhalten nach den eigenen Entscheidungen einrichten können, wobei sie auch, tatsachlich fähig sind nach ihren eigenen Vorsätzen vorzugehen, und zu Handeln. Seien diese Vorsätze, nun ganz und ausschließlich nur eigene Vorsätze, also völlig autonome Vorsätze oder, doch eher fremdimperative Vorsätze, also teilweise heteronome Vorsätze.

4. Bedeutet, der Determinismus, Probleme mit der Verantwortungszuschreibung

In diesen, konkreten Punkten, sind Deterministen und Indeterministen scheinbar in völlig unversöhnlichen Positionen. 1. Der Determinist steht vor den Fragen: „Ob die Zuschreibung, von Verantwortung (Schuld, Verdienst, Tadel oder Lob), an die Adresse der handelnden Person wirklich gerechtfertigt ist?“ „Und ob, nicht, die eigene Verantwortlichkeit auf früherer Erzieher, sowie auf, die Lebensumstände zurückübertragen werden müssten?“ Und zwar, im Guten, wie im Schlechten. 2. Der Determinist kann (auch) und muss, auf solche Fragen nur geradeheraus antworten. Denn, er hält es ganz allgemein für sinnvoll, und richtig, das Netz der Ursächlichkeit bis weit hinter die jeweilig, angezeigte Handlung, zurückzuverfolgen. Der Indeterminist hingegen, klammert dieses Problem zumeist, aus Gutem Grund aus. Das deterministische Ethos. => Da der Determinismus zwar mit den Phänomenen der freien Handlung, aber auch mit der kausalen Bedingtheit des menschlichen Verhaltens rechnet, wird er sich neben der normativen Motivation auch für jene Verhaltensdeterminanten interessieren, die das Wollen des Menschen indirekt beeinflussen: Erziehung, Selbsterziehung, gesellschaftliche Faktoren, die die Lebensbedingungen und die Lebenseinstellungen formen. Meiner Empfindung nach ist dies ein moralisch positiver Zug und eine tragfähige Basis für sozial-ethische Überlegungen. Der Indeterminist müsste hingegen, konsequenterweise: Die Erziehung, und alle sozialen Maßnahmen, als illusorische Bemühungen ansehen. Weil sie nicht das Verhalten beeinflussen können, denn, der Mensch, ist nach indeterministischer Lehre als eine Art prima causa frei und nicht, vorbestimmt ob, und wann er sich entscheidet, und danach handelt. Und was, bedeutet, das nun für die Verantwortlichkeit? Durch den gut bestätigten Hinweis, dass Werte und Normen, sowie Lob oder Tadel und, Belohnung oder Strafe, auf die Handlungssubjekte tatsächlich einwirken können. Also, sehr häufig, gute Ergebnisse und Wirkungen zeigen ist die juristische, und moralische Verantwortung, als prinzipiell sinnvoll und als gesellschaftlich nützlich, und begründet anzusehen. Es scheint aber, darüber-hinaus, auch berechtigt zu fragen ob sie gerecht ist wenn dieser Handelnde, nicht als prima causa, angesehen wird. Hier steht der Determinist (AV: Eigentlich, jeder praktische Philosoph), vor der, an anthropologischen Tatsachen orientierten Wertentscheidung inwieweit, dem Subjekt Verantwortung zugesprochen werden kann? Aus der eigenen Erfahrung, kennen wir selbst die Möglichkeit, pflichtgerecht zu handeln. Und ebenso-gut kennen wir, die Notwendigkeit, das Handeln der Menschen normativ und motivatorisch (AV: betont anreizorientiert) an den, gesellschaftlichen Erfordernissen, zu orientieren.

Abschlussfragen/und Reflexionswissen (aus diesem Artikel)

1. Bedeutet der, schwache Determinismus, automatisch ein Problem für die Verantwortung von freier Vorzugswahl? (AV: liberum arbitrium) Und wenn ja, warum?

2. Warum ist es bei Vorgängen, die rein behavioristisch erklärt werden müssen, so schwer, mit empirischer Erkenntnis, ursächliche Beziehungen zu erfassen?

3. Warum kann, die Erklärung, der Funktionsweise des handelnden Subjekts als Beziehung, zwischen lenkendem und, gelenktem System dargestellt werden?

4. G. H. v. Wright, nennt David Hume, einen Kausalisten weil dieser behauptet hat für Intentionalität, sei Kompatibilismus, unabdingbar notwendig. Hat v. Wright, damit, Recht?

5. Warum sehen sowohl, der In-determinist, als auch der Determinist, ihre eigenen Handlungen als frei an?

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