David Hume(3): Themenwechsel, das Sollen, und die Normative Ethik, statt der deskriptiven Anthropologie

Ziel meiner Arbeit

In diesem wiki-Artikel geht es erstmalig um die Normativitaet, die ja bekannter Maßen, das Motto für unser Seminar darstellt. Auch diesmal habe ich mir drei Ziele gesetzt, 1. Ich erinnere noch kurz den Grund, warum die science of man zuerst vorgestellt werden musste, wenn man die normative Ethik David Hume´s verstehen können will, und verknüpfe so, den Einstieg in die normative Ethik, 2. Ich benenne den metaethischen Kontraktualismus, im Sinne David Hume´s als den zweiseitigen Ursprung aller Werte und Normen, dessen zweite Seite, die Tugendethik darstellt, womit der Gesellschaftsvertrag (metaethisch) eine Normen- und Werteordnung darstellt, die wiederum, ihrerseits, andere Normen- und Werteordnungen (normativethisch) hervorbringt – schöpft, 3. Ich schließe den metaethischen Kontraktualismus, mit dem normativen Kontraktualismus ab und erkläre das Wesen, der äußeren Normenordnung (Rechtspositive Ordnung) die darauf gründet, und bereite so, den Übergang zur teleologischen Normativitaet vor. Die ihrerseits, dann, aber erst im nächsten wiki-Artikel David Hume, Thematisch, voll zur Entfaltung, kommen kann. Parallel zu meinen drei originären Beiträgen (über die Hauptwerke) von David Hume, führe ich, begleitend, mit Bernd Gräfrath die Debatte: MORAL SENSE – und praktische Vernunft, nur emotiver Unrat oder doch, ein wertvolles Komplementärgut. Die (Gast-)Zitate, von Prof. Dr. Bernd Gräfrath, sind hierbei wieder optisch abgesetzt.

1. FAREWELL für die Deskriptivitaet! – Die besonderen Ausgangsbedingungen für das neu, zu gestaltende, Moralsystem. David Humes Ausgangsintention, und v.a. die von ihm gewählte Hinführung zur Normativitaet besteht darin, dass er zunächst, die Natur des Menschen science of man erklären will, die ihrerseits, durch gewisse Einschränkungen des menschlichen Geistes vordisponiert ist, denn, unser Wille ist nicht frei, sondern motivdeterminiert. Bevor er dann, danach erst, seine möglichst beste Theorie über das eigene Moralsystem aufstellen will. David Hume schreibt: „Es gibt keine Frage von Bedeutung, deren Lösung in der Lehre vom Menschen nicht miteinbegriffen wäre, und keine kann mit einiger Sicherheit entschieden werden, solange wir nicht mit dieser Wissenschaft vertraut geworden sind. Wenn wir daher hier den Anspruch erheben, die Prinzipien der menschlichen Natur klarzulegen, so stellen wir damit zugleich ein vollständiges System der Wissenschaft in Aussicht, das auf einer völlig neuen Grundlage errichtet ist, der einzigen zugleich, auf welcher die Wissenschaften mit einiger Sicherheit stehen können (THN I, Einleitung, S. 5-6).“ Er war, also, fest davon überzeugt idea of belief dass seine, neue Moraltheorie, genauso, wie das vollständige System der Wissenschaft insgesamt, den Menschen (durch Belehrung) nur, dann zu Gute kommen kann, wenn diese Theorie auch durch die Gesellschaftsmitglieder angewendet werden wird, oder zumindest, wenn sie für diese anwendbar sein könnte. Denn, das Gemeinwohl, public good ist sein höchstes Gut. Sein oberster Grundsatz, lautet, daher: „Der Mensch kann nur das tun was er tatsächlich kann, deshalb, soll er, auch nur das tun sollen was er tatsächlich tun könnte, denn alles, andere, ist dem Menschen nicht vorwerfbar.“ Damit haben wir sein oberstes sozialnormatives Paradigma: Die Imperative sind bei David Hume konkret, und sie werden als erkenntnistheoretisches Konstrukt konstituiert und sind, somit auch für Jedermann „selbstverpflichtend!“ Sie wurden, ursprünglich intersubjektiv miteinander vereinbart (allerdings, bei Hume, nicht historisch zu einem gemeinsamen Zeitpunkt, wie etwa, bei Locke), angetrieben nur, von dem Eigeninteresse der Gesellschaftsmitglieder, an Gerechtigkeit, Sicherheit, Bürgerfrieden und Ordnung. Sie werden, seither, pragmatisch durch eine rechtegleiche und periodisch wiederkehrende, Wahl von, neuem legitimiert. (AV: bereits seit der Glorious Revolution, von 1688/89). David Hume schreibt dazu: „Unter Eigeninteresse verstehe ich zunächst die Hoffnung auf Belohnung im Gegensatz zum allgemeinen Schutz, den uns eine Regierung bietet. Es ist einleuchtend, dass die Autorität der Magistrate bereits etabliert oder dies zumindest zu erwarten sein muss, um solche Hoffnungen zu wecken (PÖE, Bd. I, S. 27).“ David Hume ist also ein waschechter Kontraktualist. Wie sieht es, denn nun, mit der eigentlichen Moral aus? Wird die überhaupt noch gebraucht wenn dieser Gesellschaftsvertrag, schon alles, von selbst regelt? Bernd Gräfrath schreibt:

„Mit einer weiteren Analogisierung zum ästhetischen Werturteil zeigt Hume, dass ein moralisches Werturteil auch nachträglich korrigiert werden kann durch Argumentation und Reflexion. Man könnte also sagen, dass David Hume die beiden diskutierten Schulen zusammenfasst in einer nicht-deskriptivistischen Theorie, die gleichzeitig aber auch im spezifischen Sinne `kognitivistisch´ genannt werden kann. Es muss allerdings betont werden, dass für Hume die Grundlage des moralischen (wie auch des ästhetischen) Werturteils spezifisch menschlich ist und gerade nicht, wie die Rationalisten annehmen, für alle rationalen Wesen gleichermaßen gültig ist (M-S-upV, S. 31).“

Es steht, also, die Frage im Raum ob ein ästhetisches Werturteil objektiv sein, oder objektiviert, werden kann. Dass David Hume, annimmt, dass moralische Werturteile spezifisch menschlich sind, und daher nicht, für alle rationalen Wesen gleichermaßen gültig sein können, ist hierbei, ohne Belang. Mit der möglichen Objektivierung steht diese Theorie. Und genauso, fiele diese Theorie, wenn die angestrebte Objektivierung sich als Unmöglich erweisen würde.

2. HOWDY, und a warm welcome, für die Normativitaet! Den zweiseitigen Ursprung aller Werte und Normen sucht David Hume hier: „Wir kommen jetzt zu zwei Fragen; die erste betrifft die Art, wie die Normen der Rechtsordnung durch Menschenkunst festgestellt worden sind; die andere betrifft die Gründe, die uns bestimmen, der Beobachtung oder der Vernachlässigung dieser Normen die Prädikate der sittlichen Schönheit oder Hässlichkeit beizulegen. Wir werden später sehen, dass diese Fragen nicht zusammenfallen (THN III, 3.2.2, S. 563).“ David Hume, unterscheidet also, zwischen einer äußeren Normenordnung (Gesetze), und einer inneren Normenordnung (Tugenden). Diese beiden fallen bei ihm nicht zusammen, sondern sie, sind, und bleiben weiterhin getrennt voneinander vorstellbar. Aber, sie werden wechselseitig miteinander verschränkt, und sind, somit, aufeinander angewiesen. Die ewig alte Frage, ob der Rechtspositivismus, die Moral überflüssig mache oder ob die Moral, überpositives Recht darstelle, und somit den Rechtspositivismus vor Exzessen bewahre, beantwortet David Hume als, sowohl, als auch. Denn Beide, befinden sich, auf Augenhöhe des jeweils anderen und sind dabei, wechselseitig, einander verpflichtet. Dieser, nach Ansicht, von David Hume bereits bestehende Gesellschaftsvertrag ist kein Unterwerfungsvertrag. David Hume erklärt dazu: „Nichts erscheint erstaunlicher bei der philosophischen Betrachtung der menschlichen Angelegenheiten als die Leichtigkeit, mit der die Vielen von Wenigen regiert werden und die stillschweigende Unterwerfung, mit der Menschen ihre eigenen Gesinnungen und Leidenschaften denen ihrer Herrscher unterordnen (PÖE I, S. 25).“ Die individuelle, Unterwerfung, unter diesen neu konstituierten Magistrat beruht also auf Freiwilligkeit und, auf der, individuellen Sehnsucht nach Bürgerfrieden, nach sozialer Ordnung, nach unparteiischem Recht, nach unabhängiger Rechtsprechung und, nach legitimierter (konstituierter) Gerechtigkeit. Kurze Zusammenfassung: Vorgestellt wurde hier (Nr. 2) der zweiseitige Ursprung aller Werte und Normen. David Hume unterscheidet Sozialnormen künstlich, und Individualnormen natürlich. Der Rechtssinn künstlich urteilt dabei, über das Recht und die geltenden Gesetze („erlaubt, objektiv“) und die Gerechtigkeit, ebenfalls künstlich, sowie, das Tugendbewusstsein zweidimensional (Mitgefühl, und Wohlwollen) und natürlich, beurteilen zusammen die (vor-)gesellschaftlich konstituierte Moral. Sie beurteilen, die Nützlichkeit, als Gesellschaftswesen („erlaubt, intersubjektiv“) die nach Max Weber geprägt ist vom Calvinismus – der protestantischen Fleißethik. Und sie, beurteilen auch, zusammen das gesellschaftlich konstituierte Mitfühlen und Wohlwollen („geboten, intersubjektiv“). Diese, beiden Normenordnungen, sind abstrakt getrennt und sie bleiben auch weiterhin, voneinander, getrennt. Aber, im Alltag, konkret da handeln und urteilen diese beiden Normen- und Wertverständniskonzepte, als typologisch, gruppierte, Normen- und Werteklassen stets nur gemeinsam. Ha! Es geht, also, doch nicht nur so um irgendein Gefühl moral-sense. Überall nur, Gesetze und Vorschriften, Imperative über Imperative soweit das Auge sehen kann. Fehlt es, denn da, dem Emotivisten David Hume ohne die unterstützenden Aktivitäten, des Verstandes nicht, an Pflichtbewusstsein? Nun, zum einen, ist es falsch ihn auf moral-sense-Philosophie festzulegen, da er, anders, als Hutcheson nicht einen tatsächlichen Sinn meint. (AV: wie Augen, Ohren, Nase, Mund oder Haut) Sondern bei ihm, geht es vorrangig, und konditioniert um ein (Tugend-)Erziehungskonzept d.h. das Tugendbewusstsein, muss erst, mühsam erlernt werden. Aber nach, hinreichender Gewöhnung, entsteht ein Qualifikations-Niveau auf dem das Unterbewusstsein mit gleicher Zuverlässigkeit, entscheidet, wie die reine Vernunft. Und dabei, kann, das autonom agierende Unterbewusstsein über die Basalganglien, motivationale Handlungen im Motor-Cortex, direkt anweisen. Zum anderen, sind die, moral-sentiments alles andere als kognitionsfrei! Da hierbei, die affiziert Festgestellten moral-sense Empfindungen zur eingehenden Bewertung und, zur Bedeutsamkeitsfeststellung, zuerst, an den moral-reasons ausgerichtet und mit guten Gründen, for good causes, abgewogen werden. Wie sieht, die Rolle des Verstandes nun genau aus? Bernd Gräfrath, beschreibt es so:

„2. Der Verstand kann wahre Aussagen über Tatsachen liefern, auf die das moralische Urteil sich bezieht. (Wie schon einmal bemerkt, ist hier zu beachten, dass Hume empirische Experimente mit zum Tätigkeitsbereich des Verstandes reason rechnet und diesen dabei nur vom Gefühl und taste absetzen will). Der Verstand gibt Informationen über mögliche Folgen bestimmter Handlungen. Die Tatsachen müssen schon bekannt sein, bevor das moralische Urteil gefällt wird, in dem das moralische Gefühl seine Zustimmung oder Ablehnung ausspricht. Moralische Urteile sind daher in dieser Hinsicht für rationale Argumente offen, weil sie geändert werden müssen, wenn sich herausstellen sollte, dass ein Urteil auf falschen Annahmen beruhte.

3a. Bei unterschiedlichen moralischen Urteilen ist rationale Argumentation möglich, selbst wenn der Streit der unterschiedlich Urteilenden nicht auf der Uneinigkeit über die relevanten Tatsachen beruht.“

Im Ergebnis, fallen, Moralurteile nicht ohne denkende Abwägung. Bei Ungewohntem, oder Widersprüchlichem, wird die bewusste Vernunft concious acts of the understanding direkt zentralnervlich befragt, bei Routineangelegenheiten, entscheidet, das limbische System selbst darüber. (AV: Amygdala, und Hippocampus.) Die Aufregung, entsteht, eigentlich nur weil sich niemand mit dem Gedanken anfreunden möchte, dass, das Zwischenhirn, und der Hirnstamm auch denken können (Beide sind Gehirne) und, nicht nur, der Iso-Cortex. (AV: das Großhirn)

3b. Normativer Kontraktualismus: Das Wesen der äußeren Normenordnung

Der bestehende, Gesellschaftsvertrag, ist bei David Hume der Ursprung der äußeren Werte: „So entsteht die Rechtsordnung durch eine Art von Übereinkunft oder wechselseitigem Einverständnis, d.h. durch das Bewusstsein des Interesses, das man bei allen voraussetzt, und wobei jede einzelne Handlung geschieht, in der Erwartung dass andere ebenso handeln werden. Ohne eine solche Übereinkunft würde sich´s niemand haben träumen lassen, dass es eine Tugend der Rechtlichkeit gäbe, noch würde er sich veranlasst sehen, seine Handlungen derselben anzupassen (THN III, 3.2.2, S. 577).“ Diese, gemeinschaftliche, Rechtsordnung entsteht weil alle Gesellschaftsmitglieder sie wollen. Sie bewirkt, Ordnung, und erschafft den governmental Magistrate, Legislative, Exekutive und die unabhängigen Richter. Sie erhält, somit, den Bürgerfrieden durch die Übertragung des Gewaltmonopols an den Staat, und das konstituierte Widerstandsrecht, bleibt dabei, auf den schwerwiegenden Verfassungsbruch beschränkt. Diese Rechtsordnung, wird unparteiisch angewendet, und sie ruht ganz fest auf dem Fundament der Rechtegleichheit jedes Einzelnen, weil sie, nur so, dem Gemeinwohl aller Gesellschaftsmitglieder am besten dienen kann. Diese, konstituierte Gesellschaft, wird also nicht von einzelnen Personen sondern neigungsunabhängig, von institutionalisierten, Gesetzen regiert. Die Erschaffung, einer, gemeinschaftlichen Rechtsordnung durch den bereits vollzogen abgeschlossenen Gesellschaftsvertrag, bestimmt daher auch, die Rechtspflichten, eines jeden Gesellschaftsmitgliedes und verlangt, von Jedem, eigenes Rechtsbewusstsein. Sie fordert, gleichzeitig, die Rechtstreue von allen Bürgern und Bürgerinnen ein und verlangt, von Jedem, eigenes Tugendbewusstsein. Ist die, Rechtsphilosophie, von David Hume nun kognitivistisch oder, doch, non-kognivistisch? Bernd Gräfrath beurteilt das so:

„David Hume vertritt eine nicht-deskriptivistische Theorie moralischer Urteile. Der Verstand allein kann nur Tatsachen feststellen und über die Wahrheit und Falschheit von Aussagesätzen entscheiden. Aus Tatsachenfeststellungen allein lassen sich aber keine Werturteile (ästhetischer oder moralischer Art) ableiten. Die entscheidende, Evaluative Komponente eines Werturteils beruht vielmehr auf taste und sentiment. Moralische Urteile sind daher nicht im strengen Sinne wahrheitsfähig. Dennoch enthalten sie aber einen Anspruch auf allgemeine Zustimmungsfähigkeit, und da Hume annimmt, dass die moralischen Gefühle in allen Menschen grundsätzlich gleich sind. (AV: bestätigt, durch Paul Ekman, Gefühle lesen.) Können, diese Gefühle, sogar intersubjektiv gültig genannt werden. Dieser kognitivistische Strang in Humes Theorie wird weiterhin deutlich in seinen Ausführungen über die Bedingungen der moralischen Urteilsbildung: Um zu einem zutreffenden moralischen Urteil gelangen zu können, muss man von privaten Interessen absehen und sich auf den unparteiischen, aber auch zur Sympathie disponierten Standpunkt der Moral stellen.“

Was? David Hume soll ein Kognitivist sein? Der Autor, beliebt, wohl zu scherzen demnächst erzählt er uns noch, dass David Hume, ein Rationalist sei? – Ha, ha! => Dazu mehr, im nächsten wiki-Artikel David Hume.

Abschlussfragen/und Reflexionswissen (aus diesem Artikel)

1. Welche Folgen, hat es, wenn man speziell bezogen auf kontraktualistische Theorien, die Metaethik, metasprachlich, und somit nicht normativ verwendet?

2. Was darf man dem Menschen, als gelungenes Gesellschaftswesen, normativ abverlangen?

3. Ist ein zweiseitiger Ursprung aller Werte und Normen, mehr, oder weniger, als ein einseitiger Ursprung?

4. Wie unterscheiden, sich, die moral-sentiments von den moral-sense-Empfindungen?

5. Was bedeuten Equality of Rights, und Freedom of Speech*, für freie Bürger und warum sieht Immanuel Kant, 1793 Über den Gemeinspruch, die Forderung nach beidem, also nach bürgerlicher Freiheit, und nach Rede- und Pressefreiheit, nicht als Menschheitszweck an?

(*AV: begründet, an Speaker´s Corner im Hyde-Park, von London, GB)

 

 

 

 

 

Sidebar