David Hume: Kant und Hume, beide Auge in Auge, Begegnung der zwei Titanen

Ziel meiner Arbeit

In diesem wiki-Artikel, David Hume, geht es das zweite Mal um die Normativitaet, die ja bekannter Maßen das Motto für unser Seminar darstellt. Wenn man David Hume, in ein gutes Licht stellen will dann kann man, dabei gleich zwei kapitale Fehler machen, entweder a) man versucht reason is only the slave zu relativieren, war nicht so gemeint, oder b) man versucht David Hume rationaler darzustellen, als er tatsächlich war. Beides, führt nur, zu noch größeren Missverständnissen deshalb musste es, zuerst, zum Showdown kommen, bei dem sowohl die Rationalität als auch die Grenzen der Rationalität, von David Hume, ausgelotet, werden sollen. Bevor es, dann, im letzten wiki-Artikel David Hume (Normativitaet 3) nur noch um die Tugendethik gehen wird. Diesmal lauten meine drei Ziele, 1. Kants Rationalität zu hinterfragen, 2. Humes Irrationalität zu bezweifeln, und 3. Humes Rationalität als möglich in den Raum zu stellen.

1. Immanuel Kant

„Es mögen noch so viel Naturgründe sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel sinnliche Anreize, so können sie nicht das Sollen hervorbringen, sondern nur ein noch lange nicht nothwendiges, sondern jederzeit bedingtes Wollen, dem dagegen das Sollen, das die Vernunft ausspricht, Maß und Ziel, ja Verbot und Ansehen entgegen setzt (KrV, B 576).“

In seiner Kritik der reinen Vernunft legt er den Grundstein für alle Sittlichkeitsabwägungen für das Sollen. Er fordert dass die Vernunft, Maß und Ziel, sowie Verbot und Ansehen für das Sollen bestimmt ausspricht, und er begründet seine Forderung, damit, dass Naturgründe und sinnliche Anreize kein Sollen hervorbringen könnten, sondern, nur ein jederzeit bedingtes Wollen ein Handeln aus Neigung, und dass die Vernunft dem bedingten Wollen Grenzen zu setzen hätte. Die praktische Ausgestaltung dieses Gedankens, und wie aus dem Sollen, ein unbedingtes Wollen, und nothwediges Handeln wird, erfolgt dann in der Kritik der praktischen Vernunft. Immanuel Kant, schreibt:

„Diesen leeren Platz füllt nun reine praktische Vernunft durch ein bestimmtes Gesetz der Causalität in einer intelligiblen Welt (durch Freiheit), nämlich das moralische Gesetz, aus. Hierdurch wächst nun zwar der speculativen Vernunft in Ansehung ihrer Einsicht nichts zu, aber in Ansehung der Sicherung ihres problematischen Begriffs der Freiheit, welchem hier objective und, obgleich nur praktische, dennoch unbezweifelte Realität verschafft wird. (…)Die Causaltät in Ansehung der Handlungen des Willens in der Sinnenwelt muß sie allerdings auf bestimmte Weise erkennen, denn sonst könnte praktische Vernunft wirklich keine That hervorbringen. (…) Denn Bedeutung bekommt er [AV: der „Gute Wille“] ohnedem, obgleich nur zum praktischen Gebrauche, nämlich durchs moralische Gesetz. (…)Die Bedeutung, die ihm die Vernunft durchs moralische Gesetz verschafft, ist lediglich praktisch, da nämlich die Idee des Gesetzes einer Causalität (des Willens) selbst Causalität hat, oder ihr Bestimmungsgrund ist (KpV, V49-50).“

Das Problem, das Immanuel Kant, hier darstellt ist vereinfacht gesagt folgendes. Da die, reine Vernunft, die Notwendigkeit des Wollens („das unbedingte Wollen, ist für Kant, das Sollen“) über Deduktion und Kausalität nachweist, und empirische Evidenzen, und Begründungen für ihn ausgeschlossen sind, steht er vor der Herausforderung, dass die praktische Vernunft die richtige Handlung in der Sinnenwelt erkennen können muss, um eine Handlung aus Pflicht hervorbringen zu können. Daher, bestimmt er, das Gesetz der Kausalität in einer intelligiblen Welt (durch Freiheit) nämlich, das moralische Gesetz, als Handlungsleitend, für die reine praktische Vernunft. Kurz: Die Bedeutung einer Tat zum praktischen Gebrauche, wird durch das moralische Gesetz bestimmt. Der problematische Begriff der Freiheit wird durch reine praktische Vernunft objektiviert. Das moralische Gesetz selbst, ist lediglich praktisch, und bekommt seine eigene Bedeutung durch die Vernunft, da nämlich, die Idee einer Kausalität (des Willens) selbst Kausalität hat, und somit, für sich selbst der Bestimmungsgrund sein kann. Diese Begründung, scheint, mir in ein Münchhausen-Trilemma zu münden. Wenn er, hier, zuerst dem moralischen Gesetz seine eigene Bedeutung aus der Vernunft zuweist, und es als, lediglich, ausschließlich praktisch ausweist und danach, feststellt, dass dieses moralische Gesetz, aus einer Idee der Kausalität geboren wird die selbst Kausalität hat und somit der Bestimmungsgrund für sich selbst sein kann? Dann beißt, sich, die Katze in den eigenen Schwanz. Festzuhalten bleibt: Die Vernünftigkeit einer Handlung, wird durch das moralische Gesetz bestimmt, und dieses moralische Gesetz entspringt, einer Idee der Kausalität die selbst Kausalität hat, und somit, ihr eigener Bestimmungsgrund ist (ob das wirklich so sein kann, ist kritisch zu hinterfragen). Kurz: Die Vernunft bestimmt selbst, sie beurteilt selbst, und sie begründet selbst was sittlich ist, und was nicht. Kant entfaltet hier nicht weniger, als den Alleinherrschaftsanspruch der Vernunft, in allen, Sittlichkeitsfragen. Ob diese irrationale Überhöhung, noch Rationalität, oder schon Fiebertraum ist, das müssen andere entscheiden.

2. David Hume

Wenn man sich, an die Moraltheorie von David Hume annähert, stellt sich automatisch die Frage, nach der Quelle, im Fachjargon: der Treatise? Oder die Inquiry? Für Hume, selbst, war die Sache klar. Er stellte, schon, zu Lebzeiten fest dass das Frühwerk seinen Gegnern, hauptsächlich, dazu diente, seine Positionen zu verunglimpfen. Und er, empfahl, seinen konstruktiven Lesern für Sittlichkeitsfragen ausschließlich die Enquiry-II zu lesen. Wer also, wie ich, davon ausgeht dass der Autor sein eigenes Werk am besten einschätzen kann? Für den, ist die Sache, sonnenklar. Wer David Humes, Moral-Philosophie, verstehen will der muss die Inquiry-II lesen. Ich selbst, stimme, dieser präferierenden Auffassung von David Hume, uneingeschränkt, zu. Allerdings, ist es, vor dem Hintergrund der missbräuchlichen Rezeptionsgeschichte sehr schwer, für diese Position, zu argumentieren. Zum einen, weil die meisten Rezipienten, David Hume im Original nicht gelesen haben (was sich, an den wiederholenden, kongruenten, Falschdarstellungen aufzeigen lässt). Zum anderen, vertritt eine große Anzahl von Berufsphilosophen, die Auffassung dass der Treatise andere Inhalte vorzuweisen hätte, und insofern, ergiebiger sei. Ich selbst, würde, das entschieden bestreiten und weiß auch in diesem Fall, den Autor, auf meiner Seite. David Hume, schrieb 1751 an Gilbert Minto: „Indem ich die Fragen kürze und vereinfache, vervollständige ich sie. Aldo dum minuo. Die philosophischen Prinzipien sind in beiden [Werken] dieselben.“

Der Treatise I & III, die beide, die Seminargrundlage darstellen habe ich nun insgesamt, in drei wiki-Artikeln, David Hume behandelt. Den Treatise-II habe ich, aus Gutem Grund ausgelassen. Niemand (der unredlichen Kritiker) will zur Kenntnis nehmen, dass es hier, um die deskriptive Anthropologie der science of man geht. In der David Hume ausschließlich beschreibt wie der Mensch ist, und nicht, wie er sein sollte. Der Treatise-II befasst sich überhaupt nicht mit Moral (sondern nur der Treatise-III). Daher, gehe ich, diesmal den geraden Weg und verwende, die Inquiry-II, nicht zu Letzt deshalb, weil bei einer Gegenüberstellung zu Immanuel Kant die Position, von David Hume, völlig widerspruchsfrei sein muss. Kurze Wiederholung, Erkenntnistheorie: Abschnitt 1 & 2 Inquiry-II (EPM). Das Gefühl ist bei David Hume eine von zwei Möglichkeiten, neue Erkenntnisse zu gewinnen (neben dem Verstand). Durch wahrnehmen von impressions, durch umwandeln in perceptions, und durch interpretieren, mit imagination um dadurch, eine gefestigte Überzeugung idea of belief auszubilden. Welche Gründe, sprechen, für die alleinige Verwendung der Inquiry-II, die Inquiry of the Principles of Morals (EPM)? 1. Sie ist leichter zu verstehen. 2. Sie ist fokussiert gegliedert. 3. Und das, Buch-II ist in sich, abgeschlossen denn in den ersten beiden Abschnitten werden die erkenntnistheoretischen Grundlagen, soweit, wiederholt, wie sie für das Verstehen dieser Moral-Theorie relevant sind. Deshalb, nennt, David Hume die Inquiry-II „das beste Buch dass ich je geschrieben habe.“ Das, kann ich bestätigen. Sie ist kompakt. Sie ist übersichtlich gegliedert. Sie umfasst nur 185 Seiten. Und sie ist verlustfrei verdichtet. Deshalb, kann sie, nach David Hume: „zukünftig als alleinige Darstellung für meine philosophischen Ansichten, und Prinzipien betrachtet werden.“

3. Die Vernunft ist Sklavin der Leidenschaften?

Der große Aufreger, ist aus, dem Treatise-II (wo es nicht um die Moral geht) und er wird, bisweilen, boulevardesk zelebriert. Natürlich, darf er, in diesem Beitrag nicht fehlen. Aber für, die Vorstellung, dieses Zitats wähle ich den englischsprachigen Original-Text, direkt, von der Home-page Hume-Society. Der unter www.davidhume.org kostenlos, zur Verfügung, gestellt wird.

3a. Das Skandalzitat (T. 2.3.3.4.) lautet im Original:

„Since reason alone can never produce any action, or give rise to volition, I infer, that the same faculty is as incapable of preventing volition, or of disputing the preference with any passion or emotion. This consequence is necessary. ’Tis impossible reason cou’d have the latter effect of preventing volition, but by giving an impulse in a contrary direction to our passion; and that impulse, had it operated alone, wou’d have been able to produce volition. (…)Thus it appears, that the principle, which opposes our passion, cannot be the same with reason, and is only call’d so in an improper sense. We speak not strictly and philosophically when we talk of the combat of passion and of reason. Reason is, and ought only to be the slave of the passions, and can never pretend to any other office than to serve and obey them.”

Zur Einordnung, von David Humes Prinzipien. Wissen muss, man. 1. David Hume versteht unter reason 1 von drei Verstandestätigkeiten (neben conception, und judgement, als die acts of the understanding). 2. Im Treatise-II geht es um deskriptive Anthropologie. 3. Das Zitat, befindet, sich im Kapitel drei: Vom Willen und den unmittelbaren Leidenschaften Of the will and direct passions. 4. Und dort, im Abschnitt drei: Über die Motiven des Willens Of the influencing motives of the will. 5. Es geht, nur, um direkte, heiße und heftige Affekte, direct, hot, and violent passions, daher: Leidenschaften. 6. Nur die, indirekten, kalten Affekte well tempered feelings sind mit Denkakten assoziiert. 7. Nur die, friedlichen Affekte, calm passions sind mit ethischer Urteilsfähigkeit assoziiert.

Kurz: Wer den Originaltext liest, der weiß, dass es exakt an dieser Stelle (T. 2.3.3.4.) um Raserei, Tobsucht und cholerische Wutanfälle geht. Und wer den § 213 StGB kennt: „Minder schwerer Fall des Totschlags.“ Sei es nur sinngemäß, oder im Wortlaut: „War der Totschläger ohne eigene Schuld durch eine ihm oder einem Angehörigen zugefügte Misshandlung oder schwere Beleidigung von dem getöteten Menschen zum Zorn gereizt und hierdurch auf der Stelle zur Tat hingerissen worden oder liegt sonst ein minder schwerer Fall vor, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.“

Jeder weiß (AV: auch Philosophenkönige), dass Zorn, der auf der Stelle zur Tat hinreißt, alle Leistungsfähigkeit, der Vernunftmäßigung überfordert. Es ist, also, gar nicht sinnvoll diesen Satz zu relativieren. (AV: wie Streminger, 2011.) Vielmehr gilt es, darzulegen, dass David Hume genau das dargelegt hat was er selbst dachte und, was von der modernen, Neurowissenschaft, oder von der Psychologie in der Gegenwart bestätigt wird. Reason ist mindesten Verstandestätigkeit. Slave ist hier unter Jochen! (AV: in allen, anderen, denkbaren Konstellationen sind Vernunft und Gefühl aufeinander angewiesen.) Denn, Passions, sind dort die Leidenschaften die in den Wahn, und die, Raserei münden. Relativieren, ist, also überhaupt nicht in David Humes Interesse. Und außerdem, wird das, als ganz faule Ausrede empfunden. Vergleichbar, mit einem Neo-Kantianer, der im Brustton der Überzeugung sagt Immanuel Kant hätte zwar Fehler gehabt, und gravierende, menschliche Schwächen gezeigt, aber seine Sittlichkeitstheorie die sei, über jeden Zweifel erhaben. Sinnvoller, ist es, offensiv dazu zu stehen. (AV: zu diesem vermeintlichen Skandal.) Der zweite, Fehler, ist aus der Rechtfertigungsnot geboren und er liegt, darin, David Hume rationaler, kognitivistischer und objektiver, machen zu wollen, als er tatsächlich ist und selbst sein will.

3b. Abschlusseinordnung

Das gefühlte, Selbst, Ich-Bewusstsein wird wie der Begriff bereits sagt, mehr gefühlt, als nur gedacht, Stolz, Eitelkeit, Zorn, Liebe, Ungeduld, Billigung oder Missbilligung haben, in der Menschheitsgeschichte, schon tausendfach zu Mord oder affektivem Totschlag, aus Eifersucht oder, Vergleichbarem geführt. Keiner weiß, das besser, als der Historiker David Hume. Und er, braucht, dafür keine funktionale Magnet-resonanz-tomographie (fMRT). Genau, so wenig, braucht er ein Cortisol – oder Adrenalin-Screening im Blut, um zu, wissen, wie die menschliche Natur sein kann. (AV: was nicht heißt, dass sie, so sein sollte deshalb bei allen Moralfragen einfach nur, das Buch, wechseln.) Aber, eine Info, die wird von den Hysterikern sehr gerne überlesen. Nämlich dass, wenn die Vernunft sich, verbündet mit dem moralischen Gefühl und auf diesem Wege, ein Gegenimpuls, bewerkstelligt? Dass, dann, die Sache mit Ross und Reiter ganz anders aussieht. D.H: „ … but by giving an impulse in a contrary direction to our passion; and that impulse, had it operated alone, wou’d have been able to produce volition.” Well-done, siehe, oben, unter T. 2.3.3.4.

Abschlussfragen/und Reflexionswissen (aus diesem Artikel)

1. Wofür, braucht Kant das Sittengesetz?

2. Was ist am Treatise ergiebiger, als an der Enquiry?

3. Ist dieses Zitat, unersetzbar wichtig, und was hat es den vielen anderen Zitaten voraus?

4. Erklärt, es uns (AV: zumindest näherungsweise), die Sittlichkeitsvorstellungen von Hume?

5. Wie kann, die Vernunft, bei ihrem Ankämpfen gegen die Leidenschaften, sicherstellen, dass Sie, die Oberhand behält?

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