David Hume: Der naturalistische Fehlschluss, von G. E. Moore (1/aus zwei)

Ziel meiner Arbeit

In diesem wiki-Artikel, und im darauffolgenden zu David Hume, möchte ich, mich eingehend mit dem Naturalistischen Fehlschluss befassen. Der zum einen, in unserem Seminar, sehr lange das zentral und dominant vor-herrschende (Diskussions-)Thema gewesen war, und der zum anderen, in der Rezeptionsgeschichte zu David Hume, in gewisser Hinsicht eine sehr merkwürdige Rolle spielt, oder zumindest, knapp 50 Jahre lang (1936-1980) gespielt hat (AV: dazu im zweiten Teil mehr). In diesem ersten Teil, sind meine, drei Ziele. 1. Den naturalistischen Fehlschluss, als einen besonderen von n-Vielen Sein-Sollen-Schlüssen Vorzustellen (AV: sachlich und neutral), genauso wie er von G. E. Moore (1903), in der Principia Ethica beschrieben wurde, in der er auch, seine besonderen Erkennungsmerkmale für diesen Naturalistischen Fehlschluss definiert hat. 2. Ich möchte, David Hume, mit seiner eigenen Vorstellung davon was `gut´ ist oder `gut´ sein kann, grobzeichnen, und dabei hinterfragen, ob David Humes Moralprinzipien aus Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral einen solchen, Naturalistischen Fehlschluss, nach G. E. Moore nahelegen. 3. Ich möchte aufzeigen, dass G. E. Moore, David Hume bewusst nicht namentlich genannt hat, und dass dies kein Versehen, von ihm war, sondern vielmehr materiell genau seiner spezifischen Definitionsgrundlage entspricht.

Die drei Ziele im nächsten Teil, werden dann dort, in der Einleitung genau von mir erläutert. Als Vorabinfo, es wird dort am Beispiel, von A. J. Ayer, (1936) Language, Truth and Logic um, die Rezeptionsgeschichte, zu David Hume (und zu G. E. Moore) gehen. Meine Sicht aus diesem ersten Teil, auf G. E. Moore selbst, bleibt davon völlig unberührt da er seine Principia Ethica bereits 1903 publiziert hatte. Und ihn somit, an der missbräuchlichen Verwendung seiner Ethik, durch A. J. Ayer, und R. M. Hare gut dreißig Jahre später, gar keine eigene Schuld trifft.

1. Was ist der Naturalistische Fehlschluss von G. E. Moore, und worin besteht?

1.1. Einleitend muss man wissen, dass G. E. Moore, ein früher Vertreter der Analytischen Philosophie gewesen ist die ihrerseits zuvor, mit ihren eigenen Wurzeln, aus dem Wiener Kreis hervorgegangen war. Und die später dann (nach G. E. Moore), mit den beiden Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein, und John L. Austin ihren Höhepunkt, erreichte. Und dabei, den sog. Linguistik Turn in der Philosophie bewirkte. Ob die Sprachphilosophie, vielleicht, viel mehr Fluch, als Segen für die prämoderne Philosophie gewesen ist? (AV: die ihrerseits, schon immer analytisch gewesen war.) Das soll hier, nicht beurteilt werden, auch wenn aus dieser Unterform der Analytischen Philosophie in Bezug, auf David Hume eklatante, kaum verständliche und v.a. für die Rezeptionsgeschichte fundamental Bedeutsame (manche sagen sogar böswillige), Text- und Thesenfehlauslegungen, hervorgegangen sind (namentlich durch A. J. Ayer, und R. M. Hare). Dies alles, kann hier ohne Beachtung bleiben, denn, im Jahre 1974, wurde die Hume-Society gegründet die seither über alle Hume-Texte wacht, und die dadurch, interpretativem Textmissbrauch zu eigennützigen Zwecken, Grenzen auflegt, und Einhalt gebietet. Zurück zu G. E. Moore. Dessen eigene Absicht, war in jeder Hinsicht moralisch Untadelig und, seine vorgebrachte Kritik an der Philosophie seiner Zeit, beruhte auf seiner fachlichen Feststellung, dass alle bekannten Denk-Schulen zur Vereinfachung ein materielles Äquivalent, zum Guten-oder-Gut-sein-an-sich definieren. Entweder sah man, das Natürliche (im Naturalismus), oder die Lust (im Hedonismus), oder den Guten Willen (im Kategorischen Imperativ) als das Gute-oder-Gut-sein-an-sich an. Daraus zog er für sich, den Schluss dass, alle diese Wesens-, Trieb- und Willenseigenschaften wohl sehr häufig, und auch sehr viel, Gutes bewirken mögen. Dass sie aber, dennoch nicht mit dem Guten-an-sich gleichgesetzt werden dürften, da dadurch, alles, was Natürlich ist, was Lust bereitet oder was vom Guten Willen angeleitet wird, automatisch, als sittlich Gut beurteilt werden muss (ohne jede Ausnahme). Wodurch es dann, nachfolgend, außer diesen Dreien nichts anderes mehr gäbe das seinerseits, auch Gut-an-sich, genannt werden könnte.

1.2. Das von mir obendrüber dargestellte, lautet in Moores, eigenen Worten: „Es mag sein, dass alle Dinge, die gut sind, auch etwas anderes sind, sowie alle Dinge, die gelb sind, eine gewisse Art der Lichtschwingung hervorrufen. Und es steht fest, dass die Ethik entdecken will, welches diese anderen Eigenschaften sind, die allen Dingen, die gut sind, zukommen. Aber viel zu viele Philosophen haben gemeint, dass sie, wenn sie diese anderen Eigenschaften nennen, tatsächlich `gut´ definieren; dass diese Eigenschaften in Wirklichkeit nicht `andere´ seien, sondern absolut, und vollständig gleichbedeutend mit Gutheit [goodness]. Diese Ansicht möchte ich den `Naturalistischen Fehlschluss´ nennen, und ihn werde ich nun abzuhandeln versuchen (PE, Kap. 1, S. 40).“ Ich fasse zusammen. 1. Alles was gut ist, kann dennoch, auch etwas anderes sein. 2. Für ihn steht fest, dass die Ethik, nach dem Guten sucht. 3. Er bemängelt, aber, dass viel zu viele Philosophen willkürliche Eigenschaften dem Guten gleichgesetzt haben, und behaupteten, ihre selektive Eigenschaft (das Natürliche, die Lust oder das Gut-Gewollte) sei nichts anderes, als das Gute selbst [goodness]. Meine persönliche Einordnung, dazu: Dass wenn man, selektiv ausgewählt, eine einzelne Eigenschaft mit dem Guten-oder-Gutsein-an-sich gleichsetzt. Dass man dann, darüber hinaus, keine andere Eigenschaft mehr gut nennen kann, und darf. Und dass, dazu noch, alles was unter Einhaltung der besonderen Vorgaben, die aus so einer selektiven Guten-oder-Gutsein-an-sich-Eigenschaft geschieht, auch notwendigerweise, als sittlich gut, bewertet werden muss. Das alles, scheint mir unmittelbar, einleuchtend zu sein und keiner weiteren Erläuterung mehr zu bedürfen. Wenn man, das Natürliche (Naturalismus), die Lust (Hedonismus) oder den Guten Willen (Kategorischer Imperativ), mit dem Guten-oder-Gutsein-an-sich gleichsetzt, dann begeht man, dadurch, nach G. E. Moore den `Naturalistischen Fehlschluss.´ Und diesen Naturalistischen Fehlschluss hält er (AV: wegen seiner Häufigkeit), für so bedeutsam, dass dieser einen eigenen Namen verdienen würde. Moore schreibt, dazu: „Wenn er aber `gut´, welches nicht im selben natürlichen Sinne ein natürlicher Gegenstand ist, mit irgendeinem natürlichen Gegenstand verwechselt, dann besteht der Grund, von einem naturalistischen Fehlschluss zu sprechen. Dass dies in Bezug auf `gut´ geschieht, erweist es als etwas ganz Besonderes, und dieser besondere Fehler verdient ein Namen, weil er so verbreitet ist (PE, Kap. 1, S. 44).“

2. Soweit die Leser, alle bisherigen, wiki-Artikel zu David Hume (bisher 7)  aufmerksam gelesen und deren Inhalt, auch gut verstanden haben, sollten sie, zumindest bereits näherungsweise wahre David Hume-Experten geworden sein. Daher weise ich, nicht noch, einmal daraufhin dass David Hume ein rhetorisches Genie gewesen ist, dessen Worte man genauso auslegen sollte, wie er sie formuliert hat. Genau so wenig, weise ich, nochmals daraufhin dass der kürzte und verständlichste, und somit der empfehlenswerteste Weg, David Humes Ethik zu verstehen, den direkten Griff zur Inquiry-II fundamental bedingt. Die Frage die, es dabei hier, unter 2. zu klären gilt ist ob David Hume in seiner hierarchisch komplexen Tugend-Ethik-Theorie, entn. aus: Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral (1751); diesen Naturalistischen Fehlschluss begangen hat. So wie er, von G. E. Moore, 1903 beschrieben worden ist. Ich lasse zur Überprüfung, dessen, David Hume am besten selbst für sich sprechen. Und versuche, dabei herauszuarbeiten, ob dieser besondere Fehlschluss möglicherweise auch bei ihm, nachzuweisen ist. (AV: kontrafaktisch, zu der namentlichen Nichtnennung durch G. E. Moore.)

2.1. David Hume, schreibt. „Da der Nutzen einer jeden Eigenschaft oder Handlung eine wichtige Grundlage des moralischen Lobes sein soll, ist es offensichtlich, dass die Vernunft in jeder Entscheidung dieser Art eine beträchtliche Rolle spielen muss; denn nur dieses Vermögen kann uns über die Tendenz von Eigenschaften und Handlungen Auskunft geben und ihre nützlichen Folgen für die Gesellschaft und deren Eigentümer selbst aufzeigen. In vielen Fällen ist dieser Sachverhalt sehr umstritten (EPM, Anhang 1, S. 124).“ Festzuhalten bleibt, folgendes. 1. Der Nutzen einer jeden Eigenschaft, oder Handlung, kann moralisches Lob zur Folge haben. 2. Einer jeden Eigenschaft! 3. Hier fehlt es, also komplett, an der Eindimensionalität die aus einer Gleichsetzung des Guten-oder-Gutsein-an-sich mit, dem Natürlichen (Naturalismus), der Lust (Hedonismus) oder dem Guten Willen (Kategorischer Imperativ) hervorgeht, und auch, notwendigerweise hervorgehen muss. 4. Die Vernunft, als ein besonderes Vermögen, kann zwar die nützlichen Folgen einer Handlung oder Eigenschaft erkennen helfen, aber diese Vernunft ist, bei David Hume, nicht selbst das Gute-oder-Gutsein-an-sich. 5. David Hume sucht nicht, nach Sachen (nach materialisierten Werten, oder Theorien) und somit, sucht er auch nicht nach dem Guten-oder-Gutsein-an-sich. 6. Denn David Hume, interessiert sich, ausschließlich nur für die konkreten (Einzel-)Personen, und zwar dann, wenn sie, in einer Intersubjektiven Kommunikation miteinander wechselwirken, und sich untereinander austauschen. 7. Die Suche, nach dem, objektiv Guten-oder-Gutsein-an-sich als ein materielles Gut, oder als eine Sache, ist ihm daher auch völlig wurscht. (O-Ton: kaltherzig, und leblos.) 8. Und da, David Hume, sich nur für die Eigenschaften und Handlungen von Individuen interessiert, gibt es für ihn selbst, sehr viele Handlungen die wirklich `gut´ sein könnten. 9. Aber die Bewertung, der konkreten Einzelhandlungen, ist dabei, alles andere als einfach. (O-Ton: ist sehr umstritten). Ergebnis bis hierher: David Hume neigt nicht, dazu Moral zu vereinfachen, nur um sie in Disputationen besser verteidigen zu können. Das alles, hält er kaltherzig, gefühllos und für völlig weltfremd. Hinweisen möchte ich, persönlich, bei diesem Zitat noch darauf wie hoch darin von ihm die Vernunft (O-Ton: besonderes Vermögen) bei allen Abwägungen, und moralischen Entscheidungen, angesiedelt ist. (O-Ton: nur die Vernunft, kann uns darüber Auskunft geben, welche Handlungen besonders nützlich für das Gemeinwohl public good sind.) Und nach seiner Ansicht, auch angesiedelt werden muss. Diese besondere Stellung oder den ganz besonderen Wert, den David Hume, der Vernunft beimisst, der wird von vielen Rezipienten falsch interpretiert, und viel zu gering eingeschätzt.

2.2. David Hume schreibt weiter: „Die verschiedenen Verhältnisse der Gesellschaft, die verschiedenen Folgen einer jeden Praxis, die verschiedenen Interessen, die vorgebracht werden können – all diese Dinge sind in vielen Fällen zweifelhaft und Gegenstand ausgedehnter Diskussion und Untersuchung. Ziel der bürgerlichen Gesetze ist es, alle Fragen der Gerechtigkeit festzulegen. Die Debatten der Rechtswissenschaftler, die Reflexionen der Politiker, die Präzedenzfälle aus der Geschichte und aus den öffentlichen Archiven, sie alle haben denselben Zweck. Bei so vielen komplizierten Zweifeln, die aus dunklen und widersprüchlichen Nützlichkeiten entstehen, ist für die Bestimmung häufig eine vollkommene Vernunft oder eine vollkommene Urteilskraft notwendig (EPM, Anhang 1, S. 125).“ Die weitere, Überprüfung, der formulierten Ausgangsfrage ob der Naturalistische Fehlschluss von G. E. Moore, auch bei David Hume, nachzuweisen ist, die können wir an dieser Stelle wohl guten Gewissens abbrechen. 1. David Hume neigt generell nicht zur Vereinfachung. 2. David Hume interessiert sich, ausschließlich, nur für die Menschen selbst (nicht für Sachen). 3. Alle Werte, und Normen, sollen bei ihm dem Gemeinwohl public good dienen. 4. Alle Werte, und Normen, haben bei ihm einen zweiseitigen Ursprung. 4.1. Die äußere Normenordnung (der Rechtspositivismus), ist bei ihm vertraglich konstituiert (siehe wiki-Artikel Nr. 3). 4.2. Die innere Normenordnung (die naturzuständige Tugendethik), ist bei ihm rein teleologisch (siehe wiki-Artikel Nr. 5).

Fazit zu 2: Niemand ist weiter, von einem Naturalistischen Fehlschluss, entfernt und niemand kann weiter von einem Naturalistischen Fehlschluss, entfernt sein, als David Hume. Daher scheint es, mir gar keinen Zweifel, daran zu geben dass David Hume von G. E. Moore in seiner Principia Ethica bewusst nicht namentlich erwähnt, und auch nicht, darin als negatives Beispiel an den Pranger gestellt wurde. Die Kriterien, von G. E. Moore, treffen auf David Hume nicht zu! Wenn also A. J. Ayer (AV: Emotivismus), unter der Bezugnahme auf die Principia Ethica, von G. E. Moore, behauptet, bei David Hume den Naturalistischen Fehlschluss entdeckt zu haben! Dann verwendet er, gleich zwei klassische Quellen, im sehr Groben Maße missbräuchlich. (AV: Interpretationen, von Klassischen-Texten, sollten immer den Original-Text semantisch zutreffend wiedergeben, auch dann, wenn sie mit den eigenen Worten versuchen, eine Verständniserleichterung für diesen Original-Text zu bewirken.) Wenige Philosophen, drücken sich, so Glas klar und allgemein verständlich aus wie George Edward Moore, und David Hume.

3. Nach dem, das Prüfungsergebnis, oben unter Nr.2: Ob denn, David Hume, in seiner Ethik einen Naturalistischen Fehlschluss begangen habe, so eindeutig mit: Nein, das hat er nicht; beantwortet werden konnte. Dient mir nun, dieser Punkt 3 nur noch (AV: ob denn, die Nichtnennung, von David Hume ein Versehen von G. E. Moore gewesen sein könnte), zur Abrundung, der klaren Sicht auf G. E. Moore selbst, und auf seine Principia Ethica. In seinem, ersten Kapitel, spricht er an dass es diesen Naturalistischen Fehlschluss nicht nur, in naturalistischen Ethiken gäbe, sondern genauso, in hedonistischen oder metaphysischen Ethiken. Im Kapitel zwei, wendet er sich, selektiv und nur allein den Naturalistischen Ethiken zu, und er kritisiert, stellvertretend für die ganze Typenklasse den Philosophen Herbert Spencer. (AV: der Evolutionismus.) Im Kapitel drei, wendet er sich, selektiv und nur allein den Hedonistischen Ethiken zu, und er kritisiert, stellvertretend für die ganze Typenklasse den Philosophen John Stuart Mill, und auch Jeremy Bentham, aber nachgeordnet. (AV: beide, der Utilitarismus.) Im Kapitel vier, wendet er sich, selektiv und nur allein den Metaphysischen Ethiken zu, und er kritisiert, stellvertretend für die ganze Typenklasse den Philosophen Immanuel Kant. (AV: der Kategorischer Imperativ.) Da G. E. Moore, in seiner Principia Ethica, alle Philosophen die für seinem Naturalistischen Fehlschluss in Frage kommen könnten direkt und, mit ihrem vollen Namen, angesprochen hat, kann es als sehr sicher angenommen werden dass er selbst, beim Naturalistischen Fehlschluss, nie an David Hume, gedacht hatte und gedacht haben kann. Alles Weitere, erfolgt dann, in Teil zwei zum Thema: Der Naturalistischer Fehlschluss, von G. E. Moore.

Literaturverzeichnis

Hume, D. (1751) Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral. Hg. Manfred Kühn. Verlag: Felix Meiner, Hamburg (2003)

Moore, G. E. (1903) Principia Ethica. Hg. Burkhard Wisser. Übers. Martin Sandhop. Verlag: Philipp Reclam jun., Stuttgart (1984)

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