David Hume(9): Der naturalistische Fehlschluss (2/aus zwei)

Ziel meiner Arbeit

In diesem zweiten Teil, meines wiki-Artikels zu David Hume, mit dem Thema: Der Naturalistische Fehlschluss von G. E. Moore. Geht es nicht mehr, um G. E. Moore selbst, oder um Besonderheiten des Naturalistischen Fehlschlusses, direkt, sondern nur noch, um die Rezeptionsgeschichte in Zusammenhang zu David Hume. Dass David Hume, weiter, als jeder andere Philosoph davon entfernt ist einem Naturalistischen Fehlschluss, erlegen zu sein, das müsste, im ersten Teil unmissverständlich klar geworden sein. In diesem zweiten Teil, verändert sich, mein Fokus und meine drei Ziele, sind diesmal. 1. Die besondere Auffassung von A. J. Ayer darzustellen. 2. Mit Bernd Gräfrath der Frage, nachzugehen, wie und warum jemand wie A. J. Ayer darauf kommen kann, David Hume den Naturalistischen Fehlschluss von G. E. Moore nachzusagen, obgleich dies, substanziell, jeglicher Grundlage entbehrt. 3. Ich möchte, die „Is-to-Ought-Gap“ im Sinne David Humes, überbrücken: „How-to-bridge, the large Gulf between Is-and-Ought?“ (AV: denn, allein nur, auf die guten Gründe kommt es ihm an.)

1a. A. J. Ayers besondere Sicht, auf David Hume, unter Rückgriff auf G. E. Moore und die Principia Ethica. (AV: ein philosophie-historischer Blick, auf das Drama, um den Emotivismus, und meine subjektive Reflexion dazu.) Der Herausgeber, der deutschsprachigen Reclam-Version, der Principia Ethica von G. E. Moore, Burkhard Wisser schreibt in seinem Nachwort, text-einordnend, folgendes: „A. J. Ayer, ein Oxforder Professor, beruft sich im Vorwort zur 1. Auflage (1936) seines Buches Language, Truth and Logic, ausdrücklich auf Hume (AV: u.a.a. Berkeley, Russel, Wittgenstein, Carnap, Ryle, und I. Berlin), als diejenigen, die sein Denken wesentlich beeinflusst haben. (…). Nach Hume gelten Werturteile weder a priori, noch sagen sie etwas über Fakten in der Welt aus, vielmehr nur über unsere oder der meisten Menschen Haltung – Billigung und Missbilligung – bezüglich der Fakten. Wert ist demnach nicht ein Teil der Welt. Darin sind sich Ayer, Russell, und Wittgenstein mit Hume einig. (…). Mit Hume teilt er nämlich alle echten Urteile in zwei Klassen: 1. A priorische, die notwendig und gewiss, weil analytisch sind (Hume: `relations of ideas´, z. B. Mathematik), und 2. Empirisch-faktenbezogene, die hypothetisch, also bestenfalls wahrscheinlich sind (`matters of fact´). (…). Die ethischen Urteile sind also für Ayer so etwas wie ein emotionsgeladenes Dada, mehr nicht. (…). Ayer geht so weit zu behaupten, dass ich beim moralischen Beurteilen einer Handlungsweise `nicht einmal eine Aussage über meine eigene Geistesverfassung´ mache (S. 107). (…). Zwar habe ich dann im Sinne Ayers kein normativ-ethisches Urteil gefällt, aber immerhin doch ein deskriptives Urteil, was er bestreitet. (…). Moores Widerlegung des Subjektivismus (Ethics, S. 50f) zielt laut Ayer auch gegen seine `Emotive Theory´ (PE, dt. 1984, S. 328-329).“ Damit sind beide Namen, gefallen, David Hume, und George Edward Moore. Auch wenn hierbei G. E. Moore, in der sehr verkürzten Grobzeichnung von Burkhard Wisser, mit einem anderen Werk zitiert wird, Ethics. Da aber Burkhard Wisser selbst, der Herausgeber, der deutschen Reclam-Version der Principia Ethica von G. E. Moore ist, ist es sehr sicher, anzunehmen, dass er die Bedeutungsgleichheiten zwischen Ethics und der Principia Ethica fachlich richtig beurteilen kann, und hier, auch zutreffend wiedergibt.

1b. Nun zu dem was A. J. Ayer gesagt hat. 1. Ayer bezieht sich auf Hume als Mentor. Meine persönliche Wertung dazu: Das ist völlig, unproblematisch, zumindest dann wenn er nachfolgend David Hume auch zutreffend wiedergibt. 2. Bei Hume gelten Werturteile, weder a priori, noch sagen sie etwas über Fakten in der Welt aus. Meine persönliche Wertung dazu: Hier gehen mit Ayer, komplett die Pferde durch, denn er verwechselt zum einen beim Treatise das Buch I Of the Understanding also, die reine Erkenntnistheorie, die zwar von David Hume, zu Beginn des Treatise Buch III Of Morals soweit wiederholt wird, wie sie für die nachfolgende Ethik relevant ist. Allerdings lässt er, die Bedingungen wie alle Normen- und Werte, bei David Hume, zweiseitig objektiviert und aus dem konstituiert Vereinbarten, geschöpft werden (AV: durch Intersubjektion), komplett außen vor. Er vergisst dabei, also: 2a. Die äußere Normenordnung. (AV: der konstituierte Gesellschaftsvertrag, der dadurch erschaffene Magistrat, die dabei erlassene Rechtsordnung, die Rechtegleichheit EQUALITY of RIGHTS und, die unabhängigen Richter.) Und er vergisst: 2b. Die innere Normenordnung. (AV: das Tugendethik-Konzept, mit den beiden künstlichen Tugenden, der Rechtssinn, und die Gerechtigkeit und, mit den beiden natürlichen Tugenden, das Mitfühlen und, das Wohlwollen.) 3. Dass normativ-ethische Urteile, bei David Hume, nicht einfach nur subjektive Gefühlsäußerungen sind. Sondern, dass er, als ein soziales Wesen und als geachtetes Mitglied der Gesellschaft dazu neigt, dass er sich, dem Gemeinwohl public good selbst verpflichtet fühlt. Das alles führt, bei David Hume, bereits intra-subjektiv zu weit mehr als nur zu unbegründeten emotiven Äußerungen. Dazu kommt noch, die Intersubjektion, über den unparteiischen Beobachter die bei David Hume auch, über einen erzieherischen Effekt und durch, die langjährige Gewöhnung konditioniert wird. 4. Im Ergebnis sind, feelings, emotions, affections oder die bösen passions, zuerst selbstreflexiv mit moral-reasons abgewogen worden, um so, zu den moral-sentiments veredelt zu werden. Und diese Moral-Sentiments, sind hoch kognifizierte Werturteile. 5. Wert ist nicht, ein Teil der Welt? Da denkt A. J. Ayer, dass er sich mit David Hume, einig sei. Meine persönliche Bewertung, dazu: Nein, da ist er sich nicht mit Hume einig denn, für den Kontraktualisten David Hume, gibt es ein ultimativ gültiges, weil konstituiert verfasstes Kriterium. 6. Aber selbst unter der hypothetischen Annahme (AV: also kontrafaktisch), einer Naturzustandshypothese, die völlig ohne Gesellschaftsvertrag auskommen muss. Ist seine Tugendethik, allein, immer noch hoch normativ denn sie verlangt, weiterhin Rechtssinn, Gerechtigkeit, Mitfühlen und Wohlwollen, von jedem Einzelnen. 7. Und das Wohl, der soziale Gemeinschaft public good, ist für David Hume einzig und allein nur der gültige Maßstab. 8. Dass ethische Urteile bei David Hume, kein emotionsgeladenes Dada sind, das sollte bereits völlig sonnenklar sein. (AV: siehe oben, der zweiseitige Ursprung aller Normen- und Werte.) 9. Die Eigeninterpretation, von Burkhard Wisser, mit dem festgestellten deskriptivistischen Urteil, ist ebenfalls quatsch. 10. David Hume trifft, in allen Fragen zur Moral nur normativ-ethische Urteile. 11. Dass G. E. Moore, in Ethics auf die Widerlegung, von A. J. Ayers `Emotive Theory´ abgezielt haben soll? Das ist zwar, für David Hume völlig ohne Belang. 12. Allerdings, würde David Hume, diese emotiven Buchstabenhäufchen von A. J. Ayer sehr viel härter zerrissen haben, als es G. E. Moore, in Ethics getan hat.

2. Prof. Dr. Bernd Gräfrath sieht diese sehr verwunderliche Sache, dass David Hume, irrtümlich, mit dem naturalistischen Fehlschluss von G. E. Moore in Verbindung gebracht, wurde so: „Viele analytische Philosophen kennen aus Humes Ethik nur die folgende Passage, in der anscheinend das kritisiert wird, was man später als „naturalistischen Fehlschluss“ bezeichnet hat. (AV: die hier von Prof Dr. Bernd Gräfrath, angesprochene, und folgen sollendeIs/Ought-Passage von David Hume. Die Berühmt-berüchtigte, aus dem Treatise Buch III Of Morals, kommt bei mir erst unten unter Nr. 3 als Vollzitat dran und, ist dort als, Erläuterungsbeispiel vorgesehen.) (…)“ Bernd Gräfrath weiter: „Bei dem berühmten `Is/Ought´-Fehlschluss geht es nicht allein darum, dass sich aus bloßen Naturbeschreibungen rein logisch keine Sollens-sätze ableiten lassen, sondern darum, dass sich aus rein deskriptiven Prämissen beliebiger Art keine präskriptiven Konklusionen ableiten lassen. Diese Warnung unterschreibt auch Hume und sie dient ihm vor allem zur Kritik von Ethikkonzeptionen, die versuchen, einen strengen Beweis für die Gültigkeit bestimmter Normen vorzulegen. Solche Fundierungsbemühungen sind nach Hume zum Scheitern verurteilt. Beweise dieser Art hätten nach Hume außerdem auch gar keine motivierende Kraft; denn: „Die Vernunft ist nur der Sklave der Affekte und soll es sein; sie darf niemals eine andere Funktion beanspruchen, als die, denselben zu dienen und zu gehorchen.“ Er treibt diese Sichtweise konsequent auf die Spitze, wenn er in einer oft missverstandenen Passage schreibt: „Es läuft der Vernunft nicht zuwider, wenn ich lieber die Zerstörung der ganzen Welt will, als einen Ritz an meinem Finger.“ Dass sich Hume damit nicht für einen radikalen Egoismus ausspricht, wird schon durch den direkt folgenden Satz deutlich: „Es widerspricht nicht der Vernunft, wenn ich meinen vollständigen Ruin auf mich nehme, um das kleinste Unbehagen eines Indianers oder einer mir gänzlich unbekannten Person zu verhindern.“ Bernd Gräfrath schreibt, noch weiter: „Der Grund für diese Einschätzung Humes liegt in seinem engen Rationalität-begriff. Menschen verfügen über Vernunft (‘reason’) und Geschmack (‘taste’), und während die Vernunft auf der Grundlage von empirischer Erfahrung über die Wahrheit von Tatsachenbehauptungen entscheidet, liegt es im Aufgabenbereich des Geschmacks, sich über die Angemessenheit von Bewertungen (ganz gleich ob in moralischen oder in ästhetischen Fragen) zu äußern. Dabei darf der Geschmack in seinen Verbindlichkeitsansprüchen nicht unterschätzt werden. Zwar wurde schon im Zeitalter der Aufklärung gerne der Gemeinplatz zitiert, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt (De gustibus non est disputandum); aber nach Hume ist eben doch eine argumentative Auseinandersetzung über Werturteile möglich. Es gibt einen Standard, an dem sich Geschmacksurteile messen lassen müssen: Hume spricht von einem „standard of taste.“ Manche Urteile sind zwar nicht im strengen Sinn falsch (im Sinne von unwahr), aber doch unangemessen oder sogar absurd: Es handelt sich dabei nicht um einen bloßen Gefühlsausdruck (wie die Emotivisten des 20. Jahrhundert glaubten). Nach Hume muss im moralischen Urteilen ein genereller Standpunkt eingenommen werden, der eine verlässliche Beratung ermöglicht. Die Sprache der Moral ist eine andere als die der bloß privaten Meinungsäußerung.“

3. Schauen wir uns dazu, das berühmte Beispiel an. David Hume schreibt: „Ich kann nicht umhin, diesen Betrachtungen eine Bemerkung hinzuzufügen, der man vielleicht einige Wichtigkeit nicht absprechen wird. In jedem Moralsystem, das mir bisher vorkam, habe ich immer bemerkt, dass der Verfasser eine Zeitlang in der gewöhnlichen Betrachtungsweise vorgeht, das Dasein Gottes feststellt oder Beobachtungen über menschliche Dinge vorbringt. Plötzlich werde ich damit überrascht, dass mir anstatt der üblichen Verbindungen von Worten mit ‘ist’ und ‘ist nicht’ kein Satz mehr begegnet, in dem nicht ein ‘sollte’ oder ‘sollte nicht’ sich fände. Dieser Wechsel vollzieht sich unmerklich; aber er ist von größter Wichtigkeit. Dies sollte oder sollte nicht drückt eine neue Beziehung oder Behauptung aus, muss also notwendigerweise beachtet und erklärt werden. Gleichzeitig muss ein Grund angegeben werden für etwas, das sonst ganz unbegreiflich scheint, nämlich dafür, wie diese neue Beziehung zurückgeführt werden kann auf andere, die von ihr gänzlich verschieden sind.“ Also, um `taste´ oder, um den `Standard of taste´ geht es in diesem Zitat, nicht in erster Linie. Sondern, das hier beschriebene Sollen, ist ein neuer Zustand (AV: eine neue Beziehung oder Behauptung) und der muss, hinreichend, begründet werden. (AV: muss beachtet und erklärt werden, ist von Theodor Lipps, falsch, bis sehr falsch übersetzt.) Denn, es muss schlüssig begründet werden! Wobei es, zu bedenken gilt, dass moralische Gründe bei David Hume als soziale Imperative von außen kommen und, durch die Gesellschaft, an einen herangetragen werden. Vor diesem Hintergrund, leuchtet es, wohl jedem völlig ein. => Dass jemand, der etwas von mir haben will, das ich daher sofort tun soll, dass der mir auch, seine (Amts-)Autorisierung nachweisen muss. (AV: die amtliche Weisungsbefugnis.) Oder mir die zivilrechtliche, Anspruchsgrundlage nennen muss, auf die er sich dabei beruft. (AV: pacta sunt servanda.) Den Schlusspunkt, setzt in diesem zweiten Teil, des wiki-Artikels David Hume zum Naturalistischen Fehlschluss, von G. E. Moore, wieder Prof. Dr. Bernd Gräfrath. Er erklärt uns dabei, wo die moralische Argumentation, bei David Hume ihre letzten Grenzen hat. Bernd Gräfrath schreibt: „Trotzdem muss zugestanden werden, dass es für Hume eine Grenze des moralischen Argumentierens gibt: Ein verstockter Mensch kann an fanatischen Bewertungen festhalten und wir können ihn keines logischen Widerspruchs überführen. Das mag unerfreulich sein, muss aber akzeptiert werden. Im Gegensatz zu früheren Philosophen verabschiedet sich Hume von Gewissheitsbestrebungen und gewöhnt uns an die Einsicht, dass wir in einer Welt ohne Letztbegründungen leben müssen. Dazu gehört auch, dass wir akzeptieren, als Naturwesen einer Kontingenten Evolution zu entstammen, die auch ganz anders hätte verlaufen können.“

Abschlussfragen/und Reflexionswissen (aus diesem Artikel)

1. Was ist bei David Hume der zweiseitige Ursprung aller Werte und Normen und um welche, zwei Seiten, geht es dabei?

2. Was ist, David Humes, Tugendmaßstab und wie objektiviert er ihn?

3. Welchen Grund, nennt Bernd Gräfrath, warum die These mit dem Splitter nicht unmoralisch ist?

4. Der Übergang vom Sein, aufs Sollen, ist eine Zustandsveränderung und muss erklärt, oder begründet werden. Welche, legitimen Gründe, sind nach David Hume denkbar und wie, werden sie, vereinbart?

5. Wie steht, David Hume, zu moralischen Letztbegründungen?

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